Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sind 30 Prozent aller Studierenden in Deutschland arm. Von den allein lebenden Studenten und Studentinnen leben sogar vier von fünf in Armut, wie es in der am Dienstag in Berlin vorgestellten Forschungsarbeit heißt. Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen deshalb weitreichende Reformen des Bundesausbildungsgesetzes (BAföG).

Die bisher vorliegenden Vorschläge der Bundesregierung zu einer BAföG-Reform, reichten nicht aus, um Studierende wirksam vor Armut zu schützen. Gerade angesichts der aktuellen Preissteigerungen drohten weitere harte Belastungen und Studienabbrüche, warnte der Paritätische.

Studie: Studierende sind besonders häufig von Armut betroffen

„Das Versprechen von Fortschritt, Chancengleichheit und gleichen Möglichkeiten für alle jungen Menschen ist nicht viel wert, wenn es nicht gelingt, Studierenden den Rücken für eine Ausbildung, frei von existenzieller Not, zu stärken“, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Studierende sind nach der Studie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung  – 16,8 Prozent leben in Armut – nicht nur besonders häufig, sondern auch besonders schwer von Armut betroffen. So liege das mittlere Einkommen armer Studierender bei 802 Euro. Der Abstand zur Armutsschwelle betrage damit 463 Euro. Von Armut betroffen sei fast jeder zweite BAföG-Bezieher (45 Prozent).

Der Paritätische begrüßt die Pläne der Bundesregierung für eine Ausweitung der Reichweite des BAföG und der Flexibilisierung der Altersgrenzen, gleichzeitig fordert der Verband deutliche Nachbesserungen. Nötig seien eine Anhebung der Leistungshöhe sowie ihre automatische und regelmäßige Fortschreibung. Die Analyse stützt sich nach den Angaben auf aktuellste Daten des sozio-ökonomischen Panels aus dem Jahr 2020 sowie Erhebungen des Deutschen Studentenwerkes zur wirtschaftlichen und sozialen Lage Studierender in Deutschland.