BerlinKinder werden in Sammelunterkünften oftmals Zeugen oder Opfer von Gewalt. Dies zeigen Daten einer Studie von Unicef Deutschland und dem Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin. „Mit Bund und Ländern haben wir in den letzten Jahren wichtige Fortschritte gemacht. Die aktuelle Untersuchung zeigt jedoch, dass noch gravierende Lücken bestehen und der Kinderschutz in zu vielen Aufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünften bis heute nicht gesichert ist“, sagte Sebastian Sedlmayr, Leiter der Advocacy- und Programmabteilung Unicef Deutschland. 

Gerade in Pandemiezeiten brauche jede Unterkunft in Deutschland klare Zuständigkeiten und Prozesse für den Schutz von Kindern. Wie Unicef Deutschland mitteilte, werde die Kinder- und Jugendhilfe erst bei akuter Kindeswohlgefährdung aktiv. Für traumatisierte Kinder mangele es an Unterstützung. Außerdem sei der Betreuungsschlüssel meist viel zu niedrig – insbesondere in Bezug auf Kinder. Noch kritischer werde die Lage der Kinder durch die coronabedingten Einschränkungen.

Die Herausgeber der Studie plädieren für einen „künftigen Rechtsanspruch von Kindern und ihren Familien auf eine dezentrale Unterbringung in den Kommunen“. Zudem solle die Höchstverweildauer in Aufnahmeeinrichtungen reduziert werden. Nur so könne vermieden werden, dass Kinder über einen längeren Zeitraum in Sammelunterkünften leben müssen und dem dortigen Gewaltpotenzial ausgesetzt sind.

In Flüchtlingsunterkünften solle es „verbindliche Konzepte und Mindeststandards zum Schutz vor Gewalt, geschultes Personal, zusätzliche finanzielle Mittel sowie auch eine unabhängige Kontrolle der Unterkünfte und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder“, geben, so die Organisationen.

Systematische Defizite

Für die Studie wurden von Juni bis Oktober 2020 Erhebungen unter den 16 Bundesländern durchgeführt. Die Verfasser der Studie lassen wissen: „Die kinderrechtliche Analyse der Selbstauskunft aller Länder zeigt unter anderem, dass zwar alle Bundesländer über Vorgaben für den Gewaltschutz verfügen, diese sich aber deutlich in ihrer Verbindlichkeit, ihrem Umfang und ihrem Geltungsbereich unterscheiden. Die Umsetzung der Gewaltschutzkonzepte wird bislang überwiegend nicht systematisch beobachtet, ausgewertet und unabhängig überprüft.“

Das Deutsche Institut für Menschenrechte mit Sitz in Berlin ist eine nach eigenen Angaben unabhängige Nationale Menschenrechtsinstitution. Es setzt sich für die Förderung und Befolgung der Menschenrechte im In- und Ausland ein.