Jena - Laut einer Studie von Jenaer Forschern besteht zwischen AfD-Wahlergebnissen und Corona-Infektionszahlen ein deutlicher Zusammenhang. In Regionen mit höheren AfD-Zweitstimmenanteilen bei der Bundestagswahl 2017 stiegen die Infektionszahlen in den ersten beiden Pandemiewellen schneller an – und zwar in Ost- wie Westdeutschland, wie die am Freitag veröffentlichte Untersuchung des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena zeigt.

Die Forscher analysierten die beiden Infektionswellen im Frühjahr sowie Herbst und Winter 2020 in den 401 Kreisen und kreisfreien Städte in Deutschland. Trotz der Berücksichtigung einer Vielzahl weiterer Merkmale wie Altersstruktur, wirtschaftliche Situation, Mobilität oder Grenzregion blieb der Zusammenhang zwischen AfD-Wahlergebnissen und Inzidenzen bestehen, so dass diese anderen Faktoren als alternative Erklärungen ausgeschlossen werden konnten.

„Ein Anstieg des AfD-Wahlergebnisses um einen Prozentpunkt erhöht die durchschnittliche Infektionshöhe in der Anstiegsphase der ersten Welle um 2,2 Prozentpunkte“, erklärte der IDZ-Soziologe Christoph Richter. Statistisch liege damit die Infektionshöhe in einem Kreis mit 20 Prozent AfD-Zweitstimmenanteil etwa 22 Prozentpunkte über einem Kreis mit einem Stimmenanteil von lediglich zehn Prozent.

Keine Effekte bei Zweitstimmenanteil von Union, FDP, Grüne, Linke und SPD

Angesichts der Ergebnisse sei die Annahme naheliegend, dass auch in der aktuellen vierten Welle und bei der mangelnden Impfbereitschaft „rechte Einstellungen als Verstärker der Pandemie wirken könnten“, erklärte IDZ-Direktor Matthias Quent. Die Studie entstand im Rahmen des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt unter Zusammenarbeit eines Epidemiologen vom Helmholtz-Zentrum München.

Für andere im Bundestag vertretene Parteien lassen sich demnach keine vergleichbaren Effekte auf die Anstiegsphase beider Wellen finden. Für die Zweitstimmenanteile rechtsextremer Kleinparteien und die Nichtwähleranteile zu den Bundestagswahlen 2005 und 2013 ergab die Studie aber ebenfalls positive Effekte auf die Inzidenzentwicklungen im vergangenen Jahr.