Berlin - Saisonale Wetterbedingungen spielen zypriotischen Forschern zufolge eine unterschätzte Rolle beim Verlauf der Corona-Pandemie. Deshalb sollten Wetterdaten stärker in Modelle zur Ausbreitung des Virus einbezogen werden, schreiben Dimitris Drikakis und Talib Dbouk von der University of Nicosia im Fachmagazin Physics of Fluids. In ihrer Arbeit erweiterten sie ein klassisches Modell zum Pandemieverlauf um einen Index, der Luftfeuchtigkeit und -temperatur sowie Windgeschwindigkeit berücksichtigt.

Zu den von Regierungen beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wie der Schließung von Geschäften und Schulen sowie der Beschränkung von Kontakten schreiben die Forscher: „Diese Lösungen sind nur nützlich, um das Entwicklungstempo der Gesamtzahl neu infizierter Personen zu verlangsamen.“ Sie gehen davon aus, dass eine zweite Welle „unumgänglich“ ist, aber durch Lockdown-Maßnahmen gedämpft werden kann.

Forscher hoffen auf Vermeidung strenger Lockdowns

„Bei Pandemien, bei denen keine massiven und wirksamen Impfungen verfügbar sind, sollte die Regierungsplanung längerfristig sein, indem Wettereffekte berücksichtigt und die Richtlinien für öffentliche Gesundheit und Sicherheit entsprechend gestaltet werden“, wird Dbouk in einer Mitteilung des Fachmagazins zitiert.

Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Windgeschwindigkeit bestimmen den Forschern zufolge beispielsweise, welche Erregerkonzentration winzige Speicheltröpfchen aufweisen, wie lange sie sich in der Luft halten und wie weit sie sich ausbreiten können. So seien hohe Temperaturen im Sommer für die Übertragung des Virus eher schlecht.

„Nationale Lockdowns oder groß angelegte Lockdowns sollten nicht auf kurzfristigen Vorhersagemodellen basieren, die die Auswirkungen des jahreszeitlich bedingten Wetters ausschließen“, so Drikakis. Er und Dbouk sind zuversichtlich, dass ihr Index dazu beitragen könnte, manch strengen Lockdown, der sich nachteilig auf alle Aspekte des Lebens und der Weltwirtschaft auswirke, zu vermeiden.