Max-Planck-Institut: Warum ein strikter Lockdown nicht unbedingt nötig ist

Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat herausgefunden, dass Lockdowns mitunter weniger effizient für die Pandemie-Bekämpfung sind als andere Strategien.

Lockdowns waren während der Corona-Pandemie schon mehrfach angeordnet worden. Forscher haben nun herausgefunden, dass diese unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren jedoch nicht nötig sind. (Symbolbild)
Lockdowns waren während der Corona-Pandemie schon mehrfach angeordnet worden. Forscher haben nun herausgefunden, dass diese unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren jedoch nicht nötig sind. (Symbolbild)Sabine Gudath

Berlin-Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) gehen davon aus, dass wiederkehrende Lockdowns zur Pandemie-Bekämpfung nicht erforderlich sind. Wie ein Sprecher des MPIDS am Mittwoch mitteilte, konstatieren die Wissenschaftler in ihrer Studie, die im Magazin Science Advances erschienen ist: „Das individuelle Verhalten entscheidet letztlich darüber, ob die Kontrolle über eine Pandemie aufrechterhalten werden kann.“

Sebastian Contreras, die Physikerin Viola Priesemann und Kollegen stellten Untersuchungen über die Kontrolle der Infektionsketten durch sogenannte „nicht-pharmazeutische Interventionen“ an. Dazu gehörten beispielsweise staatlich vorgegebene Maßnahmen – also Lockdowns – aber auch das freiwillige Einhalten von Abstand und das freiwillige Tragen von Masken. 

Forscher: Test-Trace-and-Isolate-System ist effizienter als Lockdown

Gerade bei niedrigen Fallzahlen würden Sicherheit und Freiheit maximiert, ohne dass Lockdowns erforderlich seien, heißt es in der Mitteilung. Maßgeblich für die Bewahrung dieser Freiheit sei jedoch das Festhalten an einem „Test-Trace-and-Isolate“-System, „also das Testen gefolgt von Kontaktnachverfolgung und Quarantäne bei Infektion“.

Bei der Analyse stellte sich offenbar heraus, dass besagtes Test-Trace-and-Isolate-System sehr effizient für die Eindämmung der Pandemie ist. Durch Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten könnten die Infektionsketten unterbrochen werden, so die Forscher. Voraussetzung für die Stabilisierung der Inzidenz auf niedrigem Niveau durch diesen Ansatz sei, dass die Gesundheitsbehörden bei der Rückverfolgung nicht überfordert sind. Ein weiterer wichtiger Faktor seien überdies vorhandene freiwillige und staatliche Maßnahmen, so die Forscher. 

Priesemann: Corona-Ausbrüche lokal eindämmen

Mithilfe dieser Strategie könnten die sich anhäufenden Fälle und Todesfälle viermal besser vermieden werden, als auf Basis von Strategien, die nur einen Krankenhauskollaps vermeiden, heißt es in der Studie. Langfristig würden Impfungen, groß angelegte Tests und internationale Koordination die Kontrolle über die Infektionsketten weiter erleichtern.

Priesemann, die die Studie geplant hat, zieht ferner einen Vergleich zwischen der Bekämpfung von Waldbränden und der von Pandemien: „In beiden Fällen ist es viel einfacher, die Ausbrüche lokal einzudämmen, solange sie noch klein sind. Ist der Ausbruch erst einmal außer Kontrolle geraten, wird diese Strategie zu langsam und unspezifisch; man muss wieder starke bevölkerungsweite Maßnahmen ergreifen und parallel dazu versuchen, die gefährdeten Personen zu schützen.“