Berlin - Berliner Clubs haben das Potenzial für Superspreader-Events - dass sie seit dem Frühjahr geschlossen sind, ist sinnvoll. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine neue Studie eines Teams rund um den Virologen Christian Drosten, an dem auch das Robert-Koch-Institut und örtliche Gesundheitsbehörden beteiligt waren. Die Studie wurde bereits im Fachjournal Emerging Infectious Diseases veröffentlicht, aber noch nicht von anderen Experten begutachtet.

Die Studie untersuchte den Corona-Ausbruch im Club „Trompete“ in Tiergarten, der sich nach dem Besuch eines Infizierten am 29. Februar entwickelt hatte. Zwischen dem 29. Februar und dem 5. März besuchten rund 650 Menschen den Club, noch bevor die Infektion des Mannes bekannt geworden war. Am 6. März startete dann das Gesundheitsamt einen Aufruf in den Medien, um Menschen ausfindig zu machen, die sich während dieser Zeit in dem Club aufgehalten hatten. Insgesamt 74 Corona-Fälle konnten laut der Studie auf den Aufenthalt im Club zurückgeführt werden. Mit 44 Personen führten die Forscher Interviews.

Laut der Studie hatten sich verhältnismäßig viele Mitarbeiter des Clubs mit dem Virus angesteckt, insgesamt 56 Prozent des exponierten Personals. 16 Mitarbeiter hatten im Zeitraum zwischen dem 29. Februar und dem 5. März im Club gearbeitet. Die Forscher vermuten, dass die Mitarbeiter wahrscheinlich eine anhaltende Virusübertragung verursachten. Die Mehrzahl der Infizierten habe sich allerdings bei der Party am 29. Februar angesteckt.

Das Durchschnittsalter der Infizierten betrug 30 Jahre, die Inkubationszeit durchschnittlich vier Tage. Einer der Infizierten habe am 29. Februar Symptome gezeigt, zwischen dem 29. Februar und dem 5. März hätten auch Teile des Personals Corona-Symptome gehabt, heißt es in der Studie. Weil sich besonders viele Menschen bei der Party am 29. Februar angesteckt hätten und die Inkubationszeit relativ kurz gewesen sei, bestätige dies die These, dass Clubs Superspreading-Potenzial hätten, wenn keine Hygiene- und Abstandsmaßnahmen gelten, so die Forscher. Insbesondere das Personal sei gefährdet.