Wuhan - Nach tagelanger Verzögerung ist ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der chinesischen Stadt Wuhan eingetroffen, um die Ursprünge des neuartigen Coronavirus zu erforschen. Aufnahmen des staatlichen Fernsehsenders CGTN zeigten am Donnerstag, wie die aus Singapur kommende Maschine mit den WHO-Experten an Bord in Wuhan landete. China meldete derweil den ersten Corona-Todesfall seit acht Monaten.

Ursprünglich war der Beginn der WHO-Mission bereits für vergangene Woche geplant gewesen. Fehlende Genehmigungen von chinesischer Seite verzögerten den Start jedoch. Die 13 WHO-Experten, darunter Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut in Berlin, mussten in Wuhan zunächst in Quarantäne. „Die Experten werden ihre Arbeit umgehend aufnehmen, während sie die zweiwöchige Quarantäne für internationale Reisende absolvieren“, schrieb die WHO.

Einreiseverbot für zwei Wissenschaftler

Zwei Experten des internationalen Teams durften zunächst nicht nach China einreisen. Bei den Wissenschaftlern seien Covid-19-Antikörper festgestellt worden, teilte die WHO am Donnerstag mit. Das deutet auf eine frühere Infektion hin. Das Wall Street Journal berichtete, chinesische Beamte hätten die Experten daran gehindert, beim Transit in Singapur ins Flugzeug nach Wuhan in China zu steigen.

Die Forscher seien vor der Abreise mehrfach mit PCR-Corona-Tests negativ getestet worden, betonte die WHO. Auch in Singapur seien Tests bei allen Delegationsmitgliedern negativ gewesen. Die beiden Betroffenen würden nun erneut auf Antikörper untersucht. 

Chinas Außenamtssprecher sagte zu dem Einreiseverbot in Peking nur, dass die Vorschriften gegen die Pandemie „streng befolgt“ würden.

Mitglieder des WHO-Teams hatten im Vorfeld der Reise aber schon die Erwartungen heruntergeschraubt. Es gehe vor allem darum, im Austausch mit den chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden könnten, hieß es. Die erste Reise diene auch nur dazu, in einer ersten Phase zu schauen, was schon alles an Forschung laufe und an Daten vorliege, um dann einen Plan für die zweite Phase zu machen.

Gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftlern wollen die Experten erkunden, ob das Virus zu seiner Quelle zurückverfolgt werden kann. In der Metropole Wuhan waren vor mehr als einem Jahr die ersten Infektionen mit dem neuen Sars-CoV-2-Virus entdeckt worden, das weltweit Dutzende Millionen Menschen infiziert hat. Mehr als 1,9 Millionen Menschen sind nach offiziellen Statistiken schon gestorben.

Politisch brisante Mission

Die Suche nach dem Ursprung des Virus gilt als politisch brisant. China fürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert zu werden. Seit Monaten streuen chinesische Behörden daher Zweifel, ob das Virus überhaupt aus China stamme. Es wird auf unbestätigte Berichte verwiesen, dass es mögliche Infektionen schon vorher in anderen Ländern gegeben haben könnte. So müssten WHO-Experten auch in andere Länder reisen, teilte ein Außenamtssprecher mit.

Chinas Propaganda verbreitet auch die These, dass das Virus über gefrorene Lebensmittel nach China eingeschleppt worden sein könnte. Es wird auf heutige Viruspuren auf importierten Tiefkühlwaren verwiesen. Doch ist unter Wissenschaftlern strittig, ob diese Spuren für eine Infektionen ausreichen. Ausländische Forscher verdächtigen hingegen weiter Fledermäuse aus Südchina, die auch von chinesischen Behörden lange als möglicher Ursprung genannt worden waren.