Suppe, Säure, Öl – Museen rüsten sich gegen Attacken, Mitarbeiter gestresst

Nach dem Angriff von Klimaaktivisten auf ein Gemälde von Claude Monet ist die Empörung groß – aber auch die Angst vor weiteren Attacken auf kostbare Kulturgüter.

Klimaaktivisten der Klimaschutz-Protestgruppe „Letzte Generation“, nachdem sie das Gemälde „Getreideschober“ (1890) von Claude Monet im Potsdamer Museum Barberini mit Kartoffelbrei beworfen haben. 
Klimaaktivisten der Klimaschutz-Protestgruppe „Letzte Generation“, nachdem sie das Gemälde „Getreideschober“ (1890) von Claude Monet im Potsdamer Museum Barberini mit Kartoffelbrei beworfen haben. Letzte Generation/AP/dpa

Zum Schutz vor Angriffen auf Kunstwerke sieht der Deutsche Museumsbund das Aufstocken des Wachpersonals allein nicht als Lösung. „Ich würde nicht sagen, dass mehr Personal etwas machen kann“, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Museumsbundes, David Vuillaume, der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. Ein Thema sei vielmehr, dass der Stresspegel für das Personal bei solchen Attacken sehr hoch sei. „Darauf müssen wir die Mitarbeiter vorbereiten und sie auch psychologisch begleiten“, sagte er.

Es gebe schon seit Beginn der Angriffe im Sommer Sicherheitsempfehlungen von einem Arbeitskreis des DMB, berichtete Guillaume. Und viele Museen hätten nach den Attacken auch ihre Vorkehrungen verstärkt. „Dies machen wir aber nicht öffentlich“, betonte er. Ziel sei es stets, ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit der Museen zu schaffen. „Die Museen gehen mit der Tatsache, dass sie Ausstellungen präsentieren, immer ein gewisses Risiko ein“, meinte Vuillaume. „Das gehört zur Identität der Museen.“

Dünow: „Den Schaden haben die Museen“

Der Brandenburger Kulturstaatssekretär Tobias Dünow sagte der dpa, kriminelle Aktionen wie im Potsdamer Museum Barberini seien durch nichts zu rechtfertigen und auch ein Angriff auf das Museum als öffentliche Institution. „Es ist absehbar, dass es international eine Debatte über eine Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen geben wird“, sagte er. „Das wird den internationalen Leihverkehr weiter verteuern und verkomplizieren.“

Daher stimme es nicht, dass die bisherigen Aktionen der Klimaschützer noch keinen Schaden angerichtet hätten, mahnte Dünow. „Den Schaden haben die Museen. Und damit wir alle.“

Aktivisten der Klima-Protestgruppe „Letzte Generation“ hatten am Sonntag im Museum Barberini Kartoffelbrei gegen das mit Glas geschützte Gemälde „Getreideschober“ (1890) des französischen Impressionisten Claude Monet gespritzt und entschlossenere Maßnahmen gegen den Klimawandel gefordert.

Kunstwerke werden zur Zielscheibe

Mal geht es um politische Ziele - wie jetzt im Potsdamer Museum Barberini. Mal bleiben die Motive im Dunkeln. Attacken auf Kunstwerke sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Acht Fälle:

London - Oktober 2022: Klimaschützerinnen bewerfen Vincent van Goghs „Sonnenblumen“ von 1888 in der Londoner National Gallery mit Tomatensuppe. Das Gemälde ist mit Glas geschützt, beschädigt wird nur der Rahmen.

Berlin - August 2022: In der Gemäldegalerie trifft es ein Bild von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553): „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“. Zwei Aktivistinnen kleben sich am Rahmen fest. „Stoppt den fossilen Wahnsinn“, steht auf ihren T-Shirts.

Dresden - August 2022: Eines der berühmtesten Bilder der italienischen Renaissance, Raffaels „Sixtinische Madonna“ (1512/13), wird Ziel einer Klebeaktion in der Gemäldegalerie Alte Meister. Nur der Rahmen wird beschädigt.

Glasgow, London, Manchester - Juni 2022: In mehreren Museen kleben sich Aktivisten an die Rahmen von Gemälden. Die Gruppe Just Stop Oil fordert die britische Regierung dazu auf, keine neuen Öl- und Gasprojekte mehr zuzulassen.

Berlin - Oktober 2020: In drei Berliner Museen beschädigen Unbekannte mehr als 60 Objekte mit einer öligen Flüssigkeit. Betroffen sind das Neue Museum, das Pergamonmuseum sowie die Alte Nationalgalerie. Motiv und Täter sind noch unbekannt.

Potsdam - Mai 2017: Im Innenhof des Potsdamer Museums Barberini wird eine Skulptur von Wolfgang Mattheuer (1927-2004) mit roter Farbe beschmutzt. Angeblich plante der Täter eine „Kunstaktion“.

Paris - August 2009: Eine Touristin bewirft Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ (um 1503) im Louvre mit einer Teetasse. Das Porzellan zerbricht am Panzerglas, ohne Schaden anzurichten.

Amsterdam - April 1990: Ein Niederländer besprüht Rembrandts 1642 vollendetes Meisterwerk „Nachtwache“ mit Schwefelsäure. Aufseher greifen ein, entfernen die Flüssigkeit und verhindern Schlimmeres. Der Täter war geistig verwirrt.