Swetlana Alexijewitsch. 
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MinskDie politisch engagierte Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch hat  ihre Heimat Belarus verlassen. Die 72-Jährige reiste am Montag laut übereinstimmenden Berichten Richtung Deutschland aus. Laut der Nachrichtenagentur dpa flog Alexijewitsch am Montag an Bord einer Maschine der belarussischen Fluggesellschaft Belavia nach Deutschland und landete in Berlin-Schönefeld. 

Über die Hintergründe ihrer Abreise aus Belarus gibt es unterschiedliche Berichte. Laut der dpa sorgte sich Alexijewitsch um ihre Sicherheit. Demnach entschied sie sich dafür, das Land freiwillig zu verlassen. 

Dagegen berichtet die Nachrichtenagentur AFP, die Ausreise der Schriftstellerin habe keine politischen Gründe. Die 72-jährige Schriftstellerin werde sich in Deutschland einer medizinischen Behandlung unterziehen, sagte Alexijewitschs Vertraute Marija Woiteschonok am Montag der AFP. In einem Monat werde Alexijewitsch nach Belarus zurückkehren.

Die Autorin gehört zu den schärfsten Kritikern von Machthaber Alexander Lukaschenko. Sie forderte immer wieder seinen Rücktritt. 

Alexijewitsch war wie die meisten anderen Mitglieder des Koordinierungsrates der Zivilgesellschaft unlängst auch zur Vernehmung vorgeladen worden. Sie beklagte zuletzt öffentlich, dass ihr Präsidiumskollege Maxim Snak festgenommen wurde. Zuvor waren die Oppositionelle Maria Kolesnikowa und andere verhaftet worden. Zwei Präsidiumsmitglieder hatten das Land auf Druck der Behörden verlassen.

„Erst haben sie uns das Land gestohlen, jetzt greifen sie die Besten von uns auf“, sagte Alexijewitsch unlängst. Aber es kämen Hunderte andere an ihrer Stelle. Das Land bäume sich gegen den Machtapparat auf. Es gehe hier aber nicht um einen Umsturz, wie von Lukaschenko behauptet. „Wir wollten keine Spaltung in unserem Land. Wir wollten, dass in der Gesellschaft ein Dialog beginnt.“ Es gingen auch Menschen mit kleinen Kindern auf die Straße, weil sie fest vom Sieg überzeugt seien.