Tanken soll ab dem 1. Juni billiger werden. Der Preis für Benzin soll um 35,2 Cent gesenkt werden, der Preis für Diesel um 16,7 Cent. Bis zum 1. September bleibt es bei dieser geplanten Entlastung. Dafür wurde die Energiesteuer gesenkt. Doch das Geschenk der Bundesregierung könnte für die Bürger den gegenteiligen Effekt haben.

Denn schon jetzt fürchten Autofahrer und Branchenvertreter, dass am Mittwoch die Preise gar nicht fallen. Für diese Befürchtung gibt es viele Argumente.

1. Grund: Vor dem Tankrabatt werden die Spritpreise noch mal erhöht

Tankstellen erhöhen vor dem Rabatt noch mal ordentlich die Preise. So landet die eingesparte Energiesteuer dann doch in der Tasche der Ölkonzerne und wird so nicht zur Entlastung der Autofahrer. Die Bild-Zeitung spricht am Montag sogar von „Benzin-Sauerei“.

Die Zeitung rechnet vor: „Kostete der Liter E10 bundesweit am Mittwoch (25. Mai) 2,07 Euro, lag er am Samstag (28. Mai) schon bei 2,12 Euro und am Montag bei 2,13 Euro. Gleiches gilt für den Liter Diesel, der am Mittwoch noch 1,98 Euro kostete und am Samstag bei 2,02 Euro lag. Am Montag kostete der Liter im Bundesschnitt 2,05 Euro.“ In Berlin stieg allein im Mai der Preis für einen Liter E10 von 2,01 (1. Mai) auf 2,14 Euro (30. Mai). Die Ölkonzerne sind auch nicht verpflichtet, die Steuersenkungen an die Verbraucher weiterzugeben. Sie können es, müssen es aber nicht.

2. Grund: In Zapfsäulen ist noch Sprit zum alten Steuerpreis

„Das, was die Betreiber am 1. Juni noch in den Tanks haben, hat noch keine Steuersenkung, die man weitergeben könnte. Das ist noch die alte Steuer“, sagte der Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes, Jürgen Ziegner, der Rheinischen Post vom Montag. Die wenigsten Betreiber „werden es sich leisten können, das teurer eingekaufte Benzin und den teurer eingekauften Diesel billiger anzubieten“.

3. Grund: Betreiber müssen Preise nicht weitergeben, Kontrolle fehlt

Aus dem Finanzministerium heißt es, erst ab dem 1. Juni könnten die Tankstellen Kraftstoffe, die mit dem gesenkten Steuersatz besteuert wurden, beziehen. Die Preisgestaltung für an der Tankstelle verkaufte Kraftstoffe obliege jedoch ungeachtet der energiesteuerlichen Belastung dem Betreiber. Die Steuersenkung solle vollständig an die Endverbraucher weitergegeben werden. Zudem könne das Bundeskartellamt mit seiner Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in Zukunft genauer prüfen, wie die Mineralölgesellschaften ihre Preise setzten. Doch es gibt Kritiker, die anzweifeln, dass diese Kontrollen überhaupt flächendeckend durchgeführt werden.

4. Grund: Auf Tankstellen findet ein Ansturm statt, die Preise steigen wieder

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte im Interview mit RTL/ntv:„Wenn alle am 1. Juni zur Tankstelle fahren“, dann sei die Nachfrage größer, „und das Benzin wird auf einmal ein noch kostbareres Gut. Dann haben wir den Preis gesenkt, aber in Wahrheit geht er nach oben.“

ADAC empfiehlt: Unbedingt vor dem 1. Juni zum Tanken fahren

Autofahrende sollten zum Monatswechsel mit Augenmaß vorgehen und ausreichend Kraftstoff im Tank vorrätig haben, um gegebenenfalls erst einige Tage nach dem 1. Juni zum Tanken fahren zu müssen, heißt es auf der Homepage des ADAC(mit dpa/AFP)