Der Mordprozess um den tödlichen Schuss auf einen jungen Tankstellenmitarbeiter im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein soll am 21. März vor dem Landgericht in Bad Kreuznach beginnen. Das teilte das Gericht am Montag mit. Demnach wurden für das Strafverfahren gegen den 50-jährigen Beschuldigten Verhandlungstermine bis Mitte Mai angesetzt.

Am 18. September war ein 20-jähriger Schüler, der als Aushilfe in der Tankstelle jobbte, von einem Kunden mit einem Kopfschuss getötet worden. Zuvor hatte er ihn mehrfach auf die coronabedingte Maskenpflicht hingewiesen, da der Kunde ohne Maske Bier kaufen wollte.

Beschuldigte beschäftigte sich mit Theorien von Corona-Leugnern

Laut Staatsanwaltschaft handelte der Täter „heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen“. Der zuvor nicht polizeibekannte Deutsche hatte die Tat gestanden. Nach seiner Festnahme sagte er, er habe sich seit langem durch die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angeordneten Beschränkungen belastet gefühlt und beschlossen, „ein Zeichen zu setzen“, teilte die Anklagebehörde mit. Den 20-Jährigen soll er „als mitverantwortlich für die Gesamtsituation angesehen haben, weil dieser die Corona-Regelungen habe durchsetzen wollen“.

Nach dem Todesschuss soll der Angeklagte die Maske wieder über Mund und Nase gezogen haben und die Tankstelle verlassen haben, hieß es. Der selbstständige Softwareentwickler aus Idar-Oberstein ist zudem wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt.

Mit den Theorien der Corona-Leugner habe sich der Beschuldigte „relativ verstärkt befasst“. Er sei aber nicht in einer Gruppe oder Organisation aktiv gewesen, sagte der Oberstaatsanwalt. „Das war eher passiv.“ Auch als Demonstrationsteilnehmer sei er nie in Erscheinung getreten. „Er war völlig unauffällig.“ Zudem habe er „relativ zurückgezogen“ gelebt: „Er war zwar in einer Beziehung, hat aber selbst größere Außenkontakte nur wenig gepflegt.“