Rostock - In mehreren Städten haben am Montagabend Menschen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung protestiert. In Rostock versammelten sich nach Polizeiangaben in der Spitze bis zu 10.000 Demonstranten, um gegen Corona-Maßnahmen und Impfpflicht zu protestieren. Es gab zunächst keinen Demonstrationszug. Mehrere Hundert Menschen kamen auf dem Marktplatz zusammen und forderten Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) auf, sich zu zeigen. Unklar war, ob er überhaupt im Rathaus war. Später zogen bis zu 10.000 Demonstranten am Stadthafen zurück in die Innenstadt.

Die Polizei machte durch Lautsprecherdurchsagen aufmerksam, dass es eine nicht genehmigte Veranstaltung ist. Es kam zu kleineren Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei und größeren Verkehrsbehinderungen in der Rostocker Innenstadt. Mund-Nasen-Masken trugen die meisten Teilnehmer nicht. Auf Plakaten stand etwa „Wir sind alle nicht an der Zwangsimpfung interessiert“ oder „Corona-Terror. Erst der Maulkorb. Dann die Freiheitsberaubung. Jetzt die Impfpflicht?“

dpa/Bernd Wüstneck
Rostock: Die Proteste richteten sich auch gegen eine Impfpflicht.

Auch in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin protestierten mehrere Tausend Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Nach Polizeiangaben zählte der langgestreckte Demonstrationszug in Schwerin beim Start rund 2500 Teilnehmer. Beim Marsch durch die nordwestliche Innenstadt hätten sich aber weitere Personen der bislang größten Corona-Demonstration in der Stadt angeschlossen, hieß es.

Masken wurden ungeachtet der dringenden Empfehlung durch Behörden und Polizei nicht getragen, die Mindestabstände nur selten eingehalten. Auf Transparenten und in vereinzelten Sprechchören wandten sich die Demonstranten gegen eine allgemeine Impfpflicht.

Mehrere Tausend protestieren in Sachsen-Anhalt gegen Corona-Politik

Auch in Sachsen-Anhalt gingen erneut Tausende Menschen gegen die Corona-Politik auf die Straße. In Magdeburg trafen sich laut Polizei am Montag rund 3000 Menschen zu einer nicht angemeldeten Demonstration am Domplatz. Sie seien auf Abstand gelaufen, die Menschen verhielten sich friedlich, sagte eine Polizeisprecherin. Zudem versammelten sich den Angaben nach rund 50 Menschen bei einer angemeldeten Kundgebung in der Landeshauptstadt.

In Halle zogen nach ersten Angaben der Polizei mehrere Hundert Teilnehmer durch die Stadt. Im Vergleich zur Vorwoche seien es mehr, sagte eine Polizeisprecherin. Der Protest richtete sich den Angaben zufolge unter anderem gegen eine Impfpflicht gegen das Corona-Virus.

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Auch in Halle protestierten Menschen gegen die Corona-Politik. 

In Halberstadt (Landkreis Harz) gingen laut Polizei rund 1200 Menschen gegen die Corona-Politik in Deutschland auf die Straße. Die Aktion sei nicht angemeldet worden, sagte die Polizeisprecherin.

Im Osten Sachsen-Anhalts gingen nach Angaben einer Polizeisprecherin in Wittenberg rund 2400 Menschen auf die Straße, in Bitterfeld etwa 950 Menschen und in Köthen 450 Menschen. Auch in Dessau und Zerbst liefen Protestaktionen.

Proteste gegen Corona-Regeln in Sachsen – Polizei stoppt Aufzüge

In zahlreichen Städten Sachsens haben Gegner der Corona-Politik am Montagabend wieder versucht, unerlaubte Aufzüge abzuhalten. Mancherorts wie etwa in Chemnitz war die Resonanz nach ersten Informationen der Polizei aber deutlich geringer als in den Vorwochen. In mehreren Städten sei es gelungen, die Aufzüge zu stoppen - etwa in Grimma, Werdau, Torgau und Hoyerswerda, wie die Polizei auf Twitter mitteilte. Von zahlreichen Teilnehmern wurden die Personalien aufgenommen.

In Chemnitz habe ein Aufzug von bis zu 70 Personen durch starke Polizeipräsenz in Kleingruppen zerstreut werden können, hieß es. In Bautzen war am frühen Abend von etwa 250 Menschen die Rede, die sich zu einem unzulässigen Aufzug versammelt hätten.

Wegen extrem hoher Infektionszahlen erlaubt die Corona-Verordnung in Sachsen derzeit nur ortsfeste Versammlungen mit maximal zehn Teilnehmern. Gegner der Corona-Politik versuchen seit Wochen diese Regelungen mit vermeintlichen Spaziergängen zu unterlaufen. Angeheizt werden die Aktionen von der rechtsextremen Gruppe „Freie Sachsen“.

In einigen Städten gab es auch kleinere Versammlungen, die ein Zeichen gegen diese Aufzüge setzen wollten. In Freiberg etwa organisierten mehrere Bundestagsabgeordnete eine Kundgebung unter dem Titel „Vernunft statt Angst“. Die Stadt gehörte in den vergangenen Wochen mit Hunderten Teilnehmern zu den Brennpunkten der Aufzüge am Montagabend. Auch diese Woche wollten sich dort nach ersten Meldungen der Polizei mehrere Dutzend Menschen zu einem Demonstrationszug sammeln. „Wir sind weiterhin mit Kräften in der Stadt präsent, um einen Aufzug zu verhindern“ twitterte die Polizei am frühen Abend.

Berlin: Proteste richten sich gegen Corona-Demonstrationen

Auch in Berlin gab es eine Demonstration gegen die Corona-Proteste. Vor der Berliner Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg demonstrierten nach Angaben der Polizei am Montagabend rund 70 Menschen. Mit der Veranstaltung distanzierten sich die Teilnehmer von den jüngsten Protesten gegen die Corona-Maßnahmen. „Wir wehren uns gegen die Vereinnahmung der Friedlichen Revolution 1989 durch Corona-Protestler“, hieß es vorab in dem Aufruf einer Anwohnerinitiative. Dieser wandte sich auch gegen Verschwörungstheorien und Wissenschaftsleugnung.

Am Montag gab es nach Angaben der Berliner Polizei mehrere Aufrufe zu nicht angemeldeten Versammlungen in der Hauptstadt, die sich gegen die Corona-Maßnahmen richteten. Etwa 500 Kräfte seien im Stadtgebiet im Einsatz, twitterte die Polizei. Es habe einige kurzfristige Ansammlungen gegeben, etwa in Zehlendorf und Pankow, sagte ein Sprecher. Es seien auch Platzverweise und einige Festnahmen verzeichnet worden.