Zehntausende Menschen haben in Berlin dafür demonstriert, die Bedingungen fürs Radfahren zu verbessern. Mit ihren Rädern waren sie am Sonntag beispielsweise auf der Autobahn 115 (Avus) unterwegs. Nach Schätzungen der Polizei und der Veranstalter beteiligten sich rund 30.000 Menschen. Eine Polizeisprecherin hatte mit Blick auf partielle Streckensperrungen geraten, die Innenstadt mit dem Auto zu meiden.

Der Fahrradclub ADFC hatte dazu aufgerufen, auf 18 Routen durch die Stadt und über Autobahnen zum zentralen Punkt an der Siegessäule zu fahren. Der Berliner Senat und die Bezirke sollten so aufgefordert werden, „die Verkehrswende umzusetzen und endlich stadtweit das Radnetz auszurollen“, hieß es in einer Mitteilung.

Die jährliche Sternfahrt stand unter dem Motto „Rauf aufs Rad - Verkehrswende jetzt umsetzen“. Für Kinder und Eltern gab es eine kürzere Kinderroute. Diese Kinderroute sei diesmal herausragend gut besucht gewesen, sagte eine Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Berlin. Am Brandenburger Tor war auch ein Umweltfestival der Grünen Liga geplant.

Für Menschen, die gerne Fahrrad fahren, hat sich in Berlin schon manches verändert. An einigen Orten sind beispielsweise Radwege entstanden, die mit Pollern vom Autoverkehr abgegrenzt sind. Ein weiteres Projekte: Bis 2030 sollen Radschnellverbindungen mit einer Gesamtlänge von rund 100 Kilometern entstehen. Der rot-grün-rote Senat hat sich zum Ziel gesetzt, die Radwege auszubauen.

Der Landesvorsitzende des ADFC Berlin, Frank Masurat, sieht noch viel Arbeit. „Die gute Nachricht: Die Mindeststandards für den Ausbau des Radnetzes hat Berlin letztes Jahr im Radverkehrsplan festgeschrieben“, schrieb er. „Die schlechte Nachricht: Derzeit ist die Stadt organisatorisch nicht dafür aufgestellt, diesen Plan und damit das Berliner Radnetz auch umzusetzen.“

Die erforderlichen finanziellen und personellen Mittel für den Radwegeausbau seien seit Jahren bekannt, schrieb Masurat. „Trotz besseren Wissens hat der Berliner Senat einen Haushaltsentwurf vorgelegt, der nicht mit den Zielen des Mobilitätsgesetzes vereinbar ist. Wir appellieren an die Rot-Grün-Rot-Fraktionen, dies umgehend zu korrigieren“, forderte der Verbandschef.