Zehntausende Ukrainer flüchten in diesen Tagen vor dem Angriffskrieg Russlands. Viele treten die Flucht mit ihren Haustieren an, berichten Tierschutzorganisationen übereinstimmend. „Neben toten und verletzten Tieren sind zahlreiche Tiere in der Ukraine auf sich allein gestellt. Menschen fliehen und können ihre Tiere nicht mitnehmen. Die Nahrungsversorgung ist nicht sichergestellt“, teilte die weltweit größte Tierrechtsorganisation Peta am Donnerstag mit. An den Grenzen zu Polen, Rumänien und Ungarn hätten Flüchtlinge Tausende Tiere aussetzen müssen, hieß es weiter. Peta fordert nun, die Einreisebestimmungen für Haustiere an den EU-Grenzen temporär auszusetzen.

Neben humanitären Organisationen arbeiten auch Tierschützer in den Grenzgebieten, um Menschen und Tiere in Not zu versorgen. Viele Flüchtlinge träfen nach tagelangen Märschen durchgefroren mit Haustieren an den Grenzen ein, hieß es. Zumeist wurden mitreisende Tiere offenbar nicht in die EU gelassen – es sei denn, dass für sie eine Ausreise nach den offiziellen Regelungen avisiert und organisiert worden war.

Tierschützer: EU soll Quarantänestationen einrichten

„Die EU darf nicht vergessen, dass auch unzählige Tiere unter der aktuellen Notsituation leiden – sie verhungern und verdursten dort, wenn sich niemand mehr um sie kümmert. Wir fordern die EU daher auf, die gesetzlichen Bestimmungen temporär außer Kraft zu setzen und Quarantänestationen einzurichten, damit nicht auch noch die Familienverbände zwischen den Menschen und ihren tierischen Begleitern zerstört werden“, erklärte Peter Höffken von Peta Deutschland.

Ein Team von Peta Deutschland habe mittlerweile die polnisch-ukrainische Grenze passiert, um vor Ort Hilfe zu leisten. „Nachdem wir einen Transporter mit rund 20.000 Kilogramm Tiernahrung organsiert haben, ist dieser an der Grenze angekommen“, erklärte eine Peta-Sprecherin am Donnerstag. Die Tierschützer erhalten laut eigenen Aussagen täglich zahlreiche Nachrichten über bombardierte Tierheime. Deshalb hätten sich Freiwillige von Peta dazu entschieden, gemeinsam mit anderen Tierschutzorganisationen in Richtung Ukraine zu reisen.

Tiere wie Hunde und Katzen müssen geimpft und gechippt sein

Nach den aktuellen Reisebestimmungen müssen Tiere wie Hunde und Katzen geimpft und gechippt sein – was viele Tiere nicht sind. Zudem muss laut EU-Bestimmungen ein Antikörpertiter für Tollwut, der durch einen serologischen Bluttest bestätigt wurde, vorgelegt werden. In der aktuellen Kriegssituation ist es für Flüchtende vielfach unmöglich, dies umzusetzen.

In einigen Aufnahmezentren in Polen und der Slowakei ist es den aus der Ukraine geflüchteten Menschen möglich, ihre Haustiere unterzubringen, hieß es. Auch die ARD-Tagesschau berichtet über Gruppen, die Haustiere aufnehmen würden. Polen ist eines der Länder, das die Bestimmungen zur Einreise von Haustieren aus der Ukraine in die EU gelockert hat. Die Reisebestimmungen der einzelnen Länder findet man unter anderem hier.

Tierschützer: Fluchtunterkünfte auch für Tiere zugänglich machen

Der Deutsche Tierschutzbund appelliert an Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und die kommunalen Behörden, Fluchtunterkünfte in Deutschland so auszustatten, dass die mitgeführten Tiere bei ihren Besitzern bleiben können. Die Organisation bietet dafür ihre Expertise als Dachverband der Tierschutzvereine und Tierheime in Deutschland an.

Der Tierschutzbund rät ukrainischen Tierbesitzern, sich nach der Ankunft in Deutschland beim zuständigen Veterinäramt zu melden, um den Tollwutschutzstatus prüfen zu lassen. Ohne gültigen Tollwutschutz müssen einreisende Tiere den gesetzlichen Seuchenschutzregelungen entsprechend in Quarantäne. Tierheime bereiten sich auf die Unterbringung und Versorgung dieser Tiere vor, hieß es in einer Mitteilung von Mittwoch.