Berlin: Teenager gibt sich am Telefon als Polizist aus und erbeutet Millionen 

Er rief bei älteren Menschen an, stellte sich als „Kommissar Dietrich“ vor und machte 1,5 Millionen Euro Beute. Nun klagt die Staatsanwaltschaft Berlin ihn an.  

Immer mehr werden Opfer von Schockanrufen – auch in Berlin (Symbolbild).
Immer mehr werden Opfer von Schockanrufen – auch in Berlin (Symbolbild).dpa/Julian Stratenschulte

Ein Teenager hat sich am Telefon zusammen mit Komplizen als Polizeibeamter ausgegeben und mit diesem Betrug einen Schaden von beinahe 1,5 Millionen Euro angerichtet. Die Staatsanwaltschaft Berlin klagt ihn jetzt an, wie sie am Dienstag mitteilte.

Bei seinen Opfern gab sich der Teenager als „Kommissar Dietrich vom Raubdezernat“ aus: Ihm wird in 93 Fällen gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in Tateinheit mit Amtsanmaßung vorgeworfen.

Anrufe: Betrüger verwickelten ältere Menschen in Gespräche

Zwischen dem 4. August 2020 und dem 4. Oktober 2021 soll der Beschuldigte überwiegend als sog. „Keiler“, manchmal auch als Logistiker und Abholer für eine aus der Türkei agierende Gruppe tätig geworden sein, und ältere Menschen telefonisch zur Herausgabe ihrer Wertgegenstände überredet haben. Mittels Call-ID-Spoofing soll dabei auch die Rufnummer „110“ übermittelt worden sein, Kontrollgegenanrufe der Geschädigten wurden wohl zu Mitgliedern der Tätergruppierung umgelenkt.

Die Opfer sollen laut Staatsanwaltschaft durch den Angeschuldigten zunächst in längere, oft sehr feinfühlig geführte Gespräche verwickelt worden sein, um herauszufinden, ob sie Dinge von Wert oder Geld haben. Je nachdem, wo die Wertgegenstände waren, sollen die Gespräche dann variiert worden sein: Befanden sie sich in den Wohnungen, war von der Gefahr durch „Räuberbanden“ die Rede, befanden sie sich bei der Bank, wurden die Gespräche auf angeblich „korrupte Bankmitarbeiter“ gelenkt – und beide Versionen manchmal sogar durch das Abspielen von Audiodateien vermeintlicher „Räuber“ und „korrupter Bankmitarbeiter“ untermauert.

Betrugsanrufe: Geld, Vermögen und Schmuck landeten in der Türkei

Durch Strafandrohungen sollen die Geschädigten durch die falschen Polizeibeamten außerdem zum Stillschweigen verpflichtet worden sein. War absehbar, dass die Geschädigten Gespräche mit Bankmitarbeitern führen mussten, um an ihre Vermögenswerte zu gelangen, sollen diese sogar in Form von Rollenspielen vorher eingeübt worden sein.

Schließlich sollen die Geschädigten ihre Vermögenswerte an Abholer übergeben haben – in der Annahme, diese in Polizeigewahrsam und somit vor den „Räubern“ und „korrupten Bankmitarbeitern“ in Sicherheit zu bringen. Stattdessen wurden die Vermögenswerte wohl überwiegend in die Türkei weitertransportiert.