Russland verweigert Reservisten Reisepässe und schließt Grenze

Angesichts der Teilmobilmachung versuchen immer mehr Russen, dem Krieg in der Ukraine zu entkommen. Der Kreml schreitet ein.

An Russlands Grenzübergangen bildeten sich nach der Verkündung der Teilmobilmachung lange Schlangen. Moskau versucht die wehrpflichtigen nun an der Ausreise zu hindern.
An Russlands Grenzübergangen bildeten sich nach der Verkündung der Teilmobilmachung lange Schlangen. Moskau versucht die wehrpflichtigen nun an der Ausreise zu hindern.AP/dpa/Zurab Tsertsvadze

Russland wird laut Angaben aus dem Kreml keine Reisepässe mehr an Staatsbürger ausgeben, die im Rahmen der Teilmobilmachung für den Angriffskrieg in der Ukraine eingezogen werden. Diesen Bürgern werde „der Reisepass verweigert“, teilte die russische Regierung am Mittwoch auf ihrer Website mit. Seit Präsident Wladimir Putin am 21. September die Teilmobilmachung bekanntgegeben hatte, versuchten Zehntausende Menschen das Land in Richtung benachbarter Staaten zu verlassen.

Der Regierungswebsite zufolge werde den Menschen, denen ein Reisepass verweigert wird, zudem mitgeteilt, wie lange die Sperre in Kraft bleiben soll. In den vergangenen Tagen hatten die Betroffenen bereits Ausreisesperren befürchtet. Auch war bereits in mehreren Fällen von Ausreisewilligen berichtet worden, denen der Grenzübertritt verweigert worden sei. Fluggesellschaften berichteten indes von Rekordpreisen und Überbuchung auf allen Strecken aus dem Land. Auch in Deutschland bereitet man sich bereits auf die Aufnahme zahlreicher russischer Deserteure vor.

Moskau beginnt mit Grenzschließungen für Russen

In Russland besitzt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung einen internationalen Reisepass. Moskau gibt aber auch „interne Pässe“ aus, die eher Personalausweisen ähneln. Diese werden in einem Teil der ehemaligen Sowjetrepubliken rund um Russland akzeptiert. Unter anderem kann damit nach Armenien, Belarus und Kirgistan gereist werden – eine Möglichkeit, die viele Bürger seit Bekanntgabe der Teilmobilmachung bereits genutzt haben. Ob die „internen Pässe“ von den nun verkündeten Beschränkungen betroffen sind, wurde auf dem Regierungsportal nicht erwähnt.

Zudem haben die russischen Behörden damit begonnen, die Grenzen des Landes zu blockieren. An einer Region an der Grenze zu Georgien – wo es zuletzt zu kilometerlangen Schlangen gekommen war – können Ausreisende nun nicht mehr passieren. Der Anführer der russischen Region Nordossetien, Sergej Meniajlo, unterzeichnete ein entsprechendes Dekret, das die Durchfahrt von Personenfahrzeugen durch das Gebiet beschränkt.

„Allein in den letzten zwei Tagen sind mehr als 20.000 Menschen über unseren Grenzabschnitt nach Georgien gereist!“, hatte Menjajlo verkündet. „Wir werden einfach physisch nicht in der Lage sein, Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten, wenn dieser Strom weiter zunimmt“. Ausgenommen von dem Dekret seien nur Einheimische und Touristen, wie der offizielle Sender der Regionalregierung am Mittwoch über Telegram mitteilte.