Polizist stirbt nach Messerangriff in Brüssel: Täter war bekannt

Laut Medienberichten soll Yassine M. „Allahu Akbar“ gerufen haben. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt.

Polizisten am Tatort in Brüssel. Hier starb ein Beamter nach einer Messerattacke.
Polizisten am Tatort in Brüssel. Hier starb ein Beamter nach einer Messerattacke.imago/HATIM KAGHAT

Ein Polizist ist nach einem Angriff in Belgiens Hauptstadt Brüssel gestorben. Ein weiterer Polizist wurde bei dem Angriff nahe dem Bahnhof Gare du Nord mit einem Messer verletzt, wie die Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend bestätigte. Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet. Wie die Nachrichtenagentur Belga meldete, hätten mehrere Medien zudem berichtet, dass der Angreifer „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen haben soll.

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Behörde habe wegen Verdachts auf ein terroristisches Motiv die Ermittlungen übernommen, erklärte ein Sprecher am Donnerstagabend.

Yassine M. wurde schon einmal wegen Raubüberfalls verurteilt

Der Verdächtige, der 32-jährige in Brüssel geborene Yassine M.,war schon früher wegen eines gewaltsamen Raubüberfalls verurteilt worden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Im Gefängnis wurde er demnach auffällig; 2015 wurde er in ein Deradikalisierungsprogramm aufgenommen. Nach seiner Entlassung 2019 wurden seine Daten in der offiziellen belgischen Extremisten-Datenbank gespeichert. Diese von der Koordinierungsstelle für Bedrohungsanalysen (OCAM) geführte Liste enthält rund 700 „bekannte Extremisten und Terroristen im Land, die dringend überwacht werden“.

Am Donnerstag war Yassine M. auf einer Brüsseler Polizeiwache erschienen. Dort habe er „unzusammenhängende Bemerkungen“ gestammelt, sagte der Leiter der Brüsseler Staatsanwaltschaft, Tim De Wolf. „Er sprach von Hass gegen die Polizei und bat darum, psychologisch betreut zu werden“, sagte De Wolf.

Er wurde daraufhin von den Beamten in die psychiatrische Notaufnahme eines Brüsseler Krankenhauses gebracht, aber nicht festgenommen, da er offenbar nicht die Kriterien für eine nicht freiwillige Einweisung erfüllte. Später am Abend stach der Angreifer dann nahe dem Bahnhof Gare du Nord im Stadtteil Schaerbeek auf die Streifenpolizisten ein.

Wie Belga weiter berichtete, hätten die angegriffenen Beamten Verstärkung gerufen. Ein zu Hilfe gekommener Polizist habe seine Dienstwaffe gegen den Angreifer eingesetzt. Der Angreifer soll laut Medienberichten von mehreren Schüssen in den Bauch und ins Bein getroffen worden sein. Sobald sich der Zustand des Verdächtigen bessert, soll er einem Haftrichter vorgeführt werden.

Polizei in der Aarschotstraat in Brüssel: Hier ereignete sich die Tat.
Polizei in der Aarschotstraat in Brüssel: Hier ereignete sich die Tat.imago/HATIM KAGHAT

Dschihadisten und Salafisten benutzen den arabischen Ausdruck „Allahu Akbar“ oft als eine Art Schlachtruf. Eigentlich handelt es sich aber um eine zentrale religiöse Formel des Islams, die seit Jahrhunderten von Muslimen weltweit benutzt wird.

Verdächtiger hatte Anschlag auf einer Wache angekündigt

Laut Berichten der Tageszeitungen Le Soir und Het Laatste Nieuws hatte der Verdächtige einen Anschlag auf Polizisten auf einer Wache angekündigt. Warum er die Tat trotzdem verüben konnte, war zunächst unklar.

„Meine Gedanken sind bei der Familie und den Freunden des verstorbenen Beamten“, schrieb Belgiens Premier Alexander De Croo am Abend auf Twitter. Er hoffe, es gehe dem ins Krankenhaus eingelieferten Beamten gut.

Belgiens Innenministerin Annelies Verlinden schrieb auf Twitter, sie stehe in engem Kontakt mit der Polizei und dem Bürgermeister Philippe Close. Dieser bezeichnete den Vorfall als unerträgliche Tragödie. Die Präsidentin des EU-Parlaments, Roberta Metsola, schrieb, sie sei schockiert über den Mord an einem Polizisten im Dienst.

Bereits mehrere islamistische Anschläge in Brüssel

In Brüssel hatte es im März 2016 islamistisch motivierte Anschläge gegeben. Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einer Metrostation wurden insgesamt 32 Menschen getötet und 340 weitere verletzt. Seither gab es in Belgien eine Reihe von Angriffen auf Polizisten oder Soldaten.

Zuletzt ereignete sich im Mai 2018 ein als terroristisch eingestufter Anschlag auf Polizeibeamte. Damals tötete ein Mann in Lüttich zwei Polizistinnen und einen Studenten unter „Allahu Akbar“-Rufen. Der Angreifer wurde von Polizisten erschossen. Im August 2017 griff ein Mann im Zentrum von Brüssel Soldaten mit einem Messer an. Er wurde ebenfalls erschossen.

Im August 2016 griff ein Algerier in Charleroi zwei Polizistinnen vor einer Polizeiwache unter „Allahu Akbar“-Rufen an und verletzte sie im Gesicht und am Hals, bevor er erschossen wurde. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.