Eine Werbekampagne des Start-ups The Female Company wird im Internet scharf kritisiert. Ein regelrechter Shitstorm sei über die Berliner Firma hereingebrochen, berichtet Gründerszene. Vorgeworfen wird dem Unternehmen, Profit aus dem Thema häusliche Gewalt schlagen zu wollen.

The Female Company verkauft sogenannte Perioden-Unterwäsche für Frauen. Im Angebot ist seit wenigen Tagen eine „Period Panty gegen häusliche Gewalt“. Sie kann für 40 Euro erworben werden und hat einen im Etikett eingenähten QR-Code. Über diesen können betroffene Frauen Informationen und Telefonnummern von Beratungsstellen abrufen.

Kritik an The Female Company: „Profit mit dem Thema häusliche Gewalt – uff“

Teure Unterwäsche und häusliche Gewalt: Diese Mischung geht vielen Kommentatoren in den sozialen Medien zu weit. Eine Nutzerin kritisiert: „Profit mit dem Thema häusliche Gewalt – uff. Sehr schade, dass ihr euch dafür entschieden habt.“ Aufgeworfen wird auch die Frage, warum die Firma nicht einen Teil ihrer Einnahmen an Hilfsorganisationen spende.

Für Firmenchefin Ann-Sophie Claus ist der Shitstorm offenbar eine persönliche Belastung: „Ich hatte ein paar Nächte mit sehr wenig Schlaf“, sagt sie gegenüber Gründerszene. Einige Kritikpunkte seien gerechtfertigt – zum Beispiel, dass sich nicht jede Frau das 40-Euro-Produkt leisten könne. Es schließe potenzielle Kundinnen aus, gibt die Chefin zu.

The Female Company: QR-Code wird nun auf Tampons gedruckt

Als Gegenmaßnahme soll der QR-Code zur Hilfeseite gegen häusliche Gewalt nun auf alle Periodenprodukte gedruckt werden, berichtet Business Insider. Dies betreffe auch preisgünstigere Angebote wie Tampons und Binden. Das Unternehmen weist den Vorwurf zurück, mit der ganzen Aktion nur provakantes Marketing zu betreiben. Man wolle Frauen helfen angesichts der in der Pandemie gestiegenen Fallzahlen häuslicher Gewalt.

Flankiert wurde die Aktion „Period Panty gegen häusliche Gewalt“ von einer Social-Media-Kampagne. Frauen wurden aufgerufen, Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt zu teilen. Die Influencerinnen Ines Anioli und Stefanie Giesinger warben für die Aktion. 2021 hatte Ines Anioli ihrem Ex-Freund, dem Comedian Luke Mockridge, Missbrauch vorgeworfen.

Häusliche Gewalt: Hier bekommen Berlinerinnen schnelle Hilfe

Hilfe können sich Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, auch ohne den Kauf von Unterwäsche holen. In Berlin gibt es ein engmaschiges Netz von Hilfsangeboten wie Frauenhäuser, Beratungsstellen und Zufluchtswohnungen. Die „Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen“ (BIG e.V.) berät unter der Rufnummer 030/6110300 täglich zwischen 8 und 23 Uhr. Das bundesweite „Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen“ bietet unter der kostenfreien Rufnummer 0800/0116016 rund um die Uhr Beratung an.