BerlinDie eigentliche Geschichte ist schnell erzählt. Ein Mandalorianer namens Din Djarin beziehungsweise „Mando“ (der eigentlich gar kein Mandalorianer ist und nur deren Rüstung trägt) kommt in die ungewohnte Situation, für ein Findelkind sorgen zu müssen. Dieses Kind, ein Mini-Yoda, hat „magische Kräfte“, die auch unter dem Namen „die Macht“ bekannt sind und gehört – wie Mando herausfindet – zu einer Gilde von „Zauberern“. Diese werden – Vorhang auf – nach den alten Überlieferungen auch Jedi genannt. 

Also reist Mando quer durch die Galaxis, um Baby-Yoda zu den Seinen zurückzubringen und erlebt hierbei allerlei Abenteuer. Denn die versprengten Reste des untergegangenen Imperiums wollen Baby-Yoda um jeden Preis in ihre Gewalt bringen. Warum, ist unter Fans Anlass für allerlei Spekulationen und wilde Theorien, auf die hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll. 

Nun ist alleine schon die Kombination Mandalorianer und Mini-Jedi spannend, stehen sich die Vertreter des jeweiligen Lagers doch eigentlich mehr als feindselig gegenüber. Aber der Reiz, der die Serie ausmacht, ist ein anderer.

So waren die letzten drei Star Wars Filme nicht viel mehr als lauwarme Aufgüsse der Originalfilme. Optisch fulminant, aber in ihrer Gänze übertrieben und vom Storytelling her  – mit Verlaub – einfach nur langweilig. Man merkte den Filmen deutlich an, dass sie für ein neues, jungen Kinopublikum produziert worden sind, die mit der Welt von Vader, Skywalker & Co. bislang keinerlei Berührungspunkte hatten. Und auch weiter zurückliegende Episoden verstörten mit Schwachsinns-Charaktern à la Jar Jar Bings flachen Dialogen.

Das ist bei The Mandalorian anders. Die Episoden spielen in der Zeit nach dem Fall des Imperiums. Versprengte Sturmtruppen terrorisieren die heruntergekommene Galaxis unter der Führung einzelner Warlords. Es herrscht Anarchie und brutale Endzeitstimmung, die ein wenig an Mad Max erinnert. Es ist fast immer staubig, fast immer dreckig, die gesamte Grundstimmung ist mehr als düster. 

Verständnis für Sandmänner und ein geschlagener Baby-Yoda

Vor allem aber werden dem Zuschauer die einzelnen Charaktere sehr viel nähergebracht als früher. Waren die Sturmtruppler und imperialen Erfüllungsgehilfen früher einfach nur stummes Kanonenfutter, sind es nun echte Fieslinge. In einer Szene aus der jetzigen Serie beschimpft ein imperialer Scout Baby-Yoda erst und schlägt den langohrigen  Knirps dann brutal mit der Faust. Eine  Szene, die an die Nieren geht und bei der man unweigerlich zusammenzuckt. Vor allem aber eine Szene, die es in dieser Intensität in den letzten Disney-Produktionen trotz aller Weltraumschlachten und Lichtschwert-Attacken niemals gegeben hätte.

Auch andere Spezies wie die Sandmänner, in alten Filmen einfach nur böse Monster, werden dieses Mal zu eigenen Charakteren herausgebildet. Man fängt an zu verstehen, weshalb Sandmänner so rau sind – sie müssen ganz einfach ihr Überleben in einer rauen und brutalen Umgebung sichern.

In der Gesamtheit ist Regisseur Jon Favreau damit etwas gelungen, was es so zuletzt in der Star Wars Auskopplung Rogue One gab. Eine Star Wars Welt für erwachsen gewordene Fans der ersten Stunde.  

Seit dem 30. Oktober können alle Abonnenten von Disney Plus die zweite Staffel von „Star Wars: The Mandalorian“ streamen.