TrierEin Auto hat am Dienstag in der Fußgängerzone von Trier mehrere Menschen erfasst und fünf von ihnen tödlich verletzt. Der Fahrer sei binnen weniger Minuten von der Polizei überwältigt und festgenommen worden, teilten die Behörden in Rheinland-Pfalz mit. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sprach in einem Interview von einem „Amokfahrer in der Innenstadt“. Es sei der schwärzeste Tag Triers seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Abend sagte, ist unter den Todesopfern ein kleines Kind. Es sei neun Monate alt gewesen, hieß es später. Die Mutter des Mädchens wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die erwachsenen Todesopfer waren eine 25-Jährige und eine 73-jährige Frau sowie ein 45-jähriger Mann. Am Dienstagabend starb nach Polizeiangaben noch eine 52-jährige Frau. 

Am Steuer des Wagens habe ein 51 Jahre alter Mann gesessen. Es handele sich um einen Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Trier, Karl-Peter Jochem. Der Mann sei mit einem SUV durch die Fußgängerzone gerast und habe mit hoher Geschwindigkeit offenbar „wahllos“ Menschen angefahren. Wie der Trierische Volksfreund berichtet, soll der Mann ein Alkoholproblem haben. Er ist laut Staatsanwaltschaft nicht vorbestraft und wird weiterhin vernommen. Das Fahrzeug, in dem offenbar mehrere Kisten oder Kartons lagen, wurde sichergestellt. Es sei ein Landrover, den sich der Täter vor längerer Zeit bei einem Bekannten geliehen habe. 

Die Polizei schließt eine politische oder religiöse Motivation des Fahrers aus. Man könne nicht von einem Terrorakt sprechen. Nach Angaben vom Dienstagabend hatte der in Trier geborene Mann die vergangenen Tage nicht in einer Wohnung, sondern in seinem Fahrzeug verbracht. Er sei bei der Tat stark alkoholisiert gewesen (1,4 Promille) und es gebe Hinweise auf eine psychiatrische Erkrankung, hieß es bei einer Pressekonferenz am Dienstagabend. Ermittelt werde wegen Mordverdachts. Der Mann habe sein Auto als Waffe eingesetzt, so eine Aussage bei der Pressekonferenz. Der Täter habe in einer vierminütigen Zickzackfahrt durch mehrere Straßen offenbar gezielt versucht, Menschen anzufahren. Die Strecke war nicht mit Pollern gesichert, weil es dort aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt gibt.  

Der SWR und der Trierische Volksfreund berichteten zunächst unter Berufung auf Oberbürgermeister Leibe, dass - von den Toten abgesehen - mindestens zehn Menschen verletzt worden seien. Am Dienstagabend war bei der Pressekonferenz von vier Schwerstverletzten, fünf Schwerverletzten und sechs Leichtverletzten die Rede.  

Foto: dpa/Oliver Dietze
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die in Trier wohnt, sagte zu den Journalisten: „Es ist einfach nur furchtbar.“

Ein Großaufgebot von rund 750 Polizisten und Rettungskräften war nach der Amokfahrt im Einsatz. Der ADAC schickte Rettungshubschrauber, große Teile der Innenstadt waren abgesperrt. Nach der Festnahme des Fahrers bestand nach Polizeiangaben keine Gefahr mehr für die Bevölkerung. Die komplette Innenstadt wurde abgesperrt, Spuren wurden gesichert. Augenzeugen verharrten lange am Unglücksort und wurden psychologisch betreut. Viele seien traumatisiert, hieß es bei der Pressekonferenz am Dienstagabend. 

Foto: AFP/Steil-TV
Polizisten und Sicherheitskräfte sorgen dafür, dass der Tatort abgeriegelt wird. 

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) äußerte sich entsetzt über den tödlichen Vorfall und die Zahl der Opfer. Auch Innenminister Roger Lewentz (SPD) machte sich nach der Amokfahrt unverzüglich von Mainz auf den Weg nach Trier. Die Porta Nigra soll, wie es am Dienstagabend hieß, am Mittwoch zu einem Ort der Trauer werden. Die Bürger von Trier sollen dort beispielsweise Blumen ablegen können.  

Bundesweit gab es mitfühlende und entsetzte Reaktionen auf den Vorfall. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus - auch im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Die Nachrichten aus Trier machen mich sehr traurig“, hieß es in einer Stellungnahme der Kanzlerin. „Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Menschen, die so jäh und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden. Ich denke aber auch an diejenigen, die zum Teil schwere Verletzungen erlitten haben und wünsche ihnen viel Kraft.“