Berlin - Mehr als ein Jahr nach dem mutmaßlichen Auftragsmord im Tiergarten ist bisher nicht geklärt, wann genau und wie der Täter in die Hauptstadt kam. Wie der Verdächtige von Warschau nach Berlin gelangte, sei nicht aufzuhellen gewesen, sagte eine als Zeugin geladene Beamtin des Bundeskriminalamtes (BKA) vor dem Kammergericht. 

Demnach sei der mutmaßliche Täter zuletzt am 22. August 2019 kurz nach acht Uhr in Warschau registriert worden, als er ein Hotel verließ. Flüge, Mietfahrzeuge und Züge nach Berlin seien erfolglos überprüft worden, so die Kriminalhauptkommissarin. Einen Tag später, am 23. August 2019, wurde in dem Park Kleiner Tiergarten ein 40-jähriger Tschetschene erschossen.

Vorwurf: Staatlicher Auftragsmord

Angeklagt ist ein Russe, der zu Prozessbeginn von seinem Anwalt erklären ließ, er heiße Vadim S., sei 50 Jahre alt und Bauingenieur. Laut Bundesanwaltschaft ist er 55 Jahre alt und hat einen anderen Namen. Der bisher schweigende Angeklagte soll über Moskau, Paris und Warschau nach Berlin gekommen sein. Ihm werden Mord und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft handelte es sich bei  dem Mord um einen Auftrag staatlicher russischer Stellen. Das Opfer hatte laut Anklage im Tschetschenien-Krieg gegen Russland gekämpft und deswegen als Staatsfeind gegolten. Der Fall hatte die deutsch-russischen Beziehungen schwer belastet und international für Aufsehen gesorgt.