Hamburg - Der größte deutsche Schlachtkonzern, Tönnies, will künftig keine Tiere mehr schlachten, die mit Soja aus gerodeten Regenwald- oder Savannenflächen gefüttert werden. Spätestens Anfang 2023 werde das Unternehmen „zu heimischen Eiweiß- und nachhaltigen Soja-Quellen, vorzugsweise aus Europa“ wechseln, sagte Konzernchef Clemens Tönnies dem Spiegel. „Und was noch aus Südamerika kommt, muss zumindest nachhaltig zertifiziert sein.“

Tönnies räumte eigene Versäumnisse in der Vergangenheit ein. „Wir haben Ställe dichtgemacht und beheizt. Völlig falsch. Luft ranzulassen ist viel besser, die Schweine genießen das geradezu. Da wurden wir von Spezialisten falsch beraten.“ Ihm sei es schon vor 13 Jahren so vorgekommen, „als hätten wir es übertrieben“. Die „immensen Tagesgewichtszunahmen bei den Schweinen“ sehe er heute kritischer als damals, sagte er dem Spiegel.

Der Unternehmenschef appellierte an die nächste Regierung, sie solle für eine Agrarwende zu mehr Tierwohl die Empfehlungen der von Ex-Landwirtschaftsminister Jochen Borchert geführten Kommission umsetzen. Es sei notwendig, zeitlich begrenzt einen Aufschlag auf den Fleischpreis zu erheben, um den Bauern Zuschüsse für den Umbau von Ställen zu zahlen, sagte Tönnies dem Magazin.