TikTok schränkt offenbar Meinungsfreiheit ein: Diese Wörter sind tabu

Eine Recherche zeigt: TikTok hat offenbar automatische Wortfilter in die Kommentarfunktion eingebaut. Einige der blockierten Wörter dürften irritieren.

Die chinesische Videoplattform TikTok setzt in Deutschland wohl systematisch Wortfilter ein.
Die chinesische Videoplattform TikTok setzt in Deutschland wohl systematisch Wortfilter ein.AP/Kiichiro Sato

Die chinesische Videoplattform TikTok verhindert offenbar, dass Kommentare mit bestimmten Begriffen in Deutschland öffentlich gepostet werden. Das hat eine Recherche von NDR, WDR und „Tagesschau“ ergeben. Demnach gebe es mindestens 20 Wörter, die das Veröffentlichen von Kommentaren systematisch blockieren. Mit darunter: „Crack“ und „Sklave“, aber auch „gay“ oder „LGBTQ“. Die Verfasser bekommen davon nichts mit.

Kommentare, die einen oder mehrere der Wörter enthielten, erschienen dem Bericht nach in mindestens vier Versuchen von unterschiedlichen Testaccounts nicht öffentlich unter den Videos. Getestet worden seien insgesamt 70 Wörter und Wortkombinationen.

Diese Wörter waren im September 2022 blockiert
  • Cannabis
  • Crack
  • Drogen
  • Gas
  • gay
  • Heroin
  • Heterosexuelle
  • homo
  • Kokain
  • LGBTQ
  • LGBTQI
  • LSD
  • Nazi
  • Porno
  • Pornografie
  • Prostitution
  • schwul
  • Sex
  • Sexarbeit
  • Sklaven

Gegenüber den Verfassern der Kommentare werde das Blockieren nicht transparent gemacht. Vielmehr erweckte die App den Anschein, das Kommentare öffentlich gepostet worden seien.

TikTok gelobt Besserung

Eine Sprecherin von TikTok erklärte dem Bericht zufolge, das Unternehmen setze Technologien ein, die „proaktiv nach Kommentaren suchen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen oder die ein Spam-Verhalten darstellen“. Sie räumte Fehler ein: „In diesem Fall wurden Kommentare, die nicht gegen unsere Community-Richtlinien verstießen, fälschlicherweise als potenziell schädlich gekennzeichnet.“

Gegenüber den beteiligten ARD-Medien versicherte die Sprecherin, TikTok wolle Kommentare künftig nuancierter moderieren und eine „einladende Community-Umgebung“ fördern.

In Deutschland nutzt etwa die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen TikTok regelmäßig. Bei den 20- bis 29-Jährigen ist es knapp ein Drittel.