Bei einem Corona-Protest ist am Montagabend im brandenburgischen Wandlitz (Landkreis Barnim) ein Demonstrant gestorben. Bei dem Toten handelt es sich um Boris „Yellow“ Pfeiffer. Pfeiffer war bis Ende vergangenen Jahres Mitglied der ostdeutschen Band In Extremo. Das teilte die Band jetzt mit. „Bestürzt und mit Bedauern haben wir vom Tod unseres langjährigen Weggefährten Boris erfahren. 24 Jahre gemeinsam auf der Bühne waren mehr als nur ein Moment. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie! Wir hoffen, dass es Dir gut geht, wo Du jetzt bist!“, heißt es in dem Post, der ein Schwarz-Weiß-Bild des Musikers zeigt. Pfeiffer wurde 53 Jahre alt. Erst im vergangenen Jahr hatte Pfeiffer In Extremo nach 24 Jahren verlassen. Er spielte Schalmei, Nyckelharpa und Markt­sck­pfeife.

Nach Angaben der Polizei war der Mann nur wenige Minuten vor seinem Zusammenbruch in einen Polizeieinsatz verwickelt gewesen. Eine Sprecherin sagte der Berliner Zeitung, der Mann habe sich mit rund 200 weiteren Demonstranten an einem spontanen Protestaufzug über die Prenzlauer Chaussee in Wandlitz beteiligt. Als die Polizei die offiziell nicht angemeldete Versammlung auflösen wollte, forderten sie die Teilnehmer zunächst über Lautsprecherdurchsagen auf, nach Hause zu gehen. Nachdem die Teilnehmer laut Polizeiangaben nicht reagiert hätten, stoppten die Einsatzkräfte den Aufzug. Man habe die Personalien der Demonstranten aufnehmen wollen. Dabei habe sich der Aufzug in zwei Gruppen geteilt, getrennt von der Polizei.

Polizist begleitet den Mann zu seinem Auto, dann bricht er zusammen

Eine Polizeisprecherin sagte der Berliner Zeitung: „Der 53 Jahre alte Barnimer wollte diese Polizeikette durchbrechen. Er wurde angehalten und gab den Beamten widerstandslos seine Personalien. Im Anschluss konnte er seinen Weg fortsetzen.“ Dabei habe es laut Polizeiangaben keine Handgreiflichkeiten oder Schubsereien gegeben.

Ein Polizist habe den Mann anschließend zu seinem Auto begleitet. „Die Kollegen wollten sichergehen, dass er nicht in die Menge zurückkehrt“, so die Polizeisprecherin weiter. Zu diesem Zeitpunkt habe es laut Polizei noch keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme gegeben. An seinem Auto angekommen, sei der Mann plötzlich zusammengebrochen. Polizisten sollen sofort Erste Hilfe geleistet haben. Alarmierte Rettungskräfte brachten ihn anschließend in ein Krankenhaus, wo er kurz darauf starb. Zur genauen Todesursache gebe es bisher noch keine Hinweise. Die Leiche des Mannes soll nun zeitnah obduziert werden.

Video in den sozialen Netzwerken zeigt Polizeigewalt

Trotz des tödlichen Zwischenfalls sei die Versammlung in Wandlitz weitestgehend ruhig verlaufen, so die Sprecherin. Es sei durch „die frühzeitige Auflösung“ gelungen, „geltendes Recht und die Auflagen der Versammlungsbehörde “durchzusetzen.

In sozialen Netzwerken tauchte unterdessen ein Video der rechtsextremen Splitterpartei Freie Sachsen auf, auf dem zu sehen ist, wie am Rande eines Corona-Protests ein Mann von einem Polizist geschubst wird. Der Demonstrant gerät ins Straucheln, stürzt zu Boden und schlägt mit dem Kopf auf den Asphalt auf. Einige Nutzer von Twitter und Facebook vermuten, dass die Szene im Zusammenhang mit dem Tod des 53-Jährigen aus Wandlitz stehen könnte. Die Brandenburger Polizei dementierte das auf Anfrage der Berliner Zeitung jedoch. Das Video stamme demnach von einer anderen Protest-Veranstaltung, die in Bernau stattgefunden habe. Der Mann überlebte den Sturz und sei nicht schwer verletzt worden, so die Polizei.

In den vier Landkreisen der Polizeidirektion Ost kam es laut Polizeiangaben zu 33 Demonstrationen gegen die Impfpflicht und Corona-Politik. Größere Versammlungen gab es unter anderem in Oranienburg und Eberswalde. In Bernau unterbanden Einsatzkräfte die Versuche von mehreren Gruppen, eine nicht angemeldete Versammlung durchzuführen. Dort waren etwa 200 Menschen auf der Straße.