Minneapolis - Knapp zehn Monate nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd hat in Minneapolis der Prozess gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin begonnen. In dem stark gesicherten Gerichtssaal in der Stadt im Bundesstaat Minnesota ging es am Montag zunächst um einen möglichen dritten Anklagepunkt gegen Chauvin. 

Die Auswahl der Geschworenen verzögert sich allerdings. Vor dem Gericht in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota sorgte am Montag zunächst die Frage eines möglichen dritten Anklagepunktes gegen den entlassenen Polizisten Derek Chauvin für Verwirrung. Die Auswahl der zwölfköpfigen Jury dürfte deswegen frühestens am Dienstag beginnen. Richter Cahill wollte zwar trotzdem am Montag mit der Auswahl der Geschworenen beginnen. Dagegen stemmte sich aber die Staatsanwaltschaft: Sie fürchtet, wenn die Jury-Auswahl beginnt, ohne dass die Anklagepunkte feststehen, könnte das später Anlass für eine Revision wegen Verfahrensfehlern geben. Die Anklage beantragte deswegen, durch ein Berufungsgericht klären zu lassen, ob die Geschworenen schon jetzt ausgewählt werden können.

Richter Cahill sagte daraufhin, ein Beginn der Geschworenen-Auswahl vor Dienstag sei nicht „realistisch“. Kandidaten für die Jury, die sich am Montag im Gericht eingefunden hatten, mussten wieder nach Hause gehen.

Floyds auf einem Handyvideo festgehaltener Tod am 25. Mai 2020 hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und beispiellose Proteste ausgelöst. Chauvin hatte dem wegen Falschgeld-Vorwürfen festgenommenen 46-Jährigen knapp neun Minuten lang auf offener Straße das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl Floyd mehr als 20 Mal klagte, er bekomme keine Luft.

Chauvin wird wegen „Mord zweiten Grades“ angeklagt

Floyds Satz „I can't breathe“ – „Ich kann nicht atmen“ oder „Ich bekomme keine Luft“ – wurde zu einem Motto der Black-Lives-Matter-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze. Auf der ganzen Welt kam es zu zahlreichen Protesten, auch in Berlin demonstrierten Anfang Juni 15.000 Menschen. In den USA wurden die Forderungen nach einer Polizeireform immer lauter. Der Prozess gegen Chauvin findet deswegen enorme Beachtung und wird live übertragen.

Chauvin wird unter anderem „Mord zweiten Grades“ zur Last gelegt. Das entspricht einem Totschlag in einem besonders schweren Fall und kann mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden. Ein zweiter Anklagepunkt lautet „Totschlag zweiten Grades“. Die Anklage will außerdem, dass Chauvin auch wegen eines dritten Anklagepunktes der Prozess gemacht wird, „Mord dritten Grades“. Darüber gibt es aber juristische Auseinandersetzungen.

Verurteilungen wegen Polizeigewalt sind in den USA sehr selten. Der Prozess gegen drei weitere Polizisten, die an Floyds Festnahme beteiligt waren, beginnt erst im August.