Berlin - Etwa anderthalb Jahre nach einem Unfall in Berlin-Mitte mit vier Toten hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 44-jährigen Fahrer erhoben. Dem Mann werden fahrlässige Tötung und fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs vorgeworfen, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, am 6. September 2019 in seinen Porsche Macan Turbo (SUV) gestiegen zu sein, obwohl er aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht in der Lage gewesen sein soll, das Fahrzeug sicher zu führen. Der 44-Jährige hatte damals gerade eine Gehirnoperation überstanden. Er hätte laut Staatsanwaltschaft nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

Epileptischer Anfall: Autofahrer raste mit über 100 km/h auf Gehweg

Auf der Invalidenstraße in Berlin-Mitte sei er mit seinem Porsche dann wegen eines kleinen Staus auf die Gegenfahrbahn ausgewichen. Dabei habe er seinen Porsche stark beschleunigt. Infolge eines epileptischen Anfalls hatte er vermutlich das Gaspedal voll durchgetreten und war ungebremst auf den Fußweg an der Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße gerast. Nachdem der Porsche durch die erste Kollision mehrere Metallpoller aus der Verankerung riss und gegen eine Ampel prallte, soll sich das Auto mehrfach überschlagen haben.

Dabei wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft vier Fußgänger, die an der Ampel warteten, mit einer Geschwindigkeit von 102 bis 106 Kilometer pro Stunde erfasst. Zwei 28- und 29-jährige Männer sowie eine 64-jährige Frau und ihr dreijähriger Enkel erlitten dabei so schwere Verletzungen, dass sie noch am Unfallort verstarben.

Obwohl der behandelnde Neurologe seinen Patienten nach der Operation mehrmals aufgefordert haben soll, sich nicht ans Steuer eines Autos zu setzen, habe der Angeklagte dies ignoriert, begründet die Staatsanwaltschaft die Anklage.