Berlin - Im Prozess um den tödlichen Zusammenstoß eines Polizeiautos mit dem Auto einer jungen Frau in Berlin hat die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe für den angeklagten Hauptkommissar gefordert. Der 53-Jährige sei viel zu schnell unterwegs gewesen und habe deshalb nicht adäquat reagieren können, sagte die Anklägerin in ihrem Plädoyer am Dienstag vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Sie sprach von einer groben Sorgfaltspflichtverletzung und forderte ein Jahr und zwei Monate Haft auf Bewährung. „Er hat diverse Risiken missachtet.“ Die Anklage wegen fahrlässiger Tötung habe sich im Prozess bestätigt.

Der Beamte am Steuer des Polizeiwagens soll im Januar 2018 auf dem Weg zu einem Einsatz in den Wagen einer 21-Jährigen gekracht sein, die einparken wollte. Die junge Frau starb noch an der Unfallstelle in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes. Laut Anklage wurde bei der Kollision noch ein Tempo von 93 Stundenkilometern festgestellt, bei der Tunnelausfahrt kurz davor seien es noch 130 gewesen. Der Beamte hat in dem Prozess bislang geschwiegen. Mit einem Urteil wurde noch am Dienstag gerechnet.

Die tödliche Kollision hatte große Wellen geschlagen. Erst Monate nach Beginn der Ermittlungen war bekannt geworden, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthalten haben soll. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen.

Die Behörden wiesen Vorwürfe zurück, den Fall nicht ausreichend untersucht zu haben. Weil die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Patientenakte des Polizisten nicht als Beweismittel verwendet werden durfte, ging es im Prozess nicht um Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol.