Der nach einem Vulkanausbruch schwer verwüstete Inselstaat Tonga hat wegen eines Corona-Ausbruchs seine Grenzen geschlossen und einen Lockdown verhängt. Wie die Behörden am Mittwoch mitteilten, wurden fünf Menschen in der Hauptstadt Nuku'alofa positiv auf das Coronavirus getestet und befinden sich nun in Isolation. Der Pazifikstaat war bisher einer der wenigen Orte auf der Welt, in denen sich das Virus noch nicht ausgebreitet hatte.

Das Virus wurde nach Angaben von Regierungschef Siaosi Sovaleni zuerst bei zwei Männern nachgewiesen, die im Hafen der Stadt arbeiten. Dort waren nach dem verheerenden Vulkanausbruch im Januar Hilfslieferungen aus der ganzen Welt eingetroffen. Später bestätigten die Behörden noch drei weitere Infektionen bei Familienangehörigen der Männer, darunter zwei Kinder.

An den Hilfsmaßnahmen für Tonga waren unter anderem Australien, Neuseeland, Japan, China und Frankreich beteiligt. Um das Virus nicht einzuschleppen, blieben die Besatzungen der Schiffe und Flugzeuge jeweils nur kurz in Tonga und bemühten sich um eine kontaktlose Übergabe. Die Waren wurden zudem drei Tage lang isoliert, bevor sie in Tonga in Empfang genommen wurden.

Trotz Corona-Fällen an Bord: HMAS Adelaide legt in Nuku'alofa an

In der vergangenen Woche hatte das australische Marineschiff „HMAS Adelaide“ trotz dutzender Corona-Fälle an Bord in Nuku'alofa angelegt. Der Einsatzleiter der australischen Streitkräfte, Greg Bilton, erklärte am Mittwoch, die Infektionsfälle in Nuku'alofa seien nicht auf das Schiff zurückzuführen. Es habe in einem anderen Hafenbereich angelegt und die Hilfsgüter kontaktlos entladen, sagte Bilton im Sender Sky News Australia. „Ich glaube also nicht, dass es eine Verbindung gibt, dafür gibt es keine Beweise.“

Der Lockdown in Tonga trat nach Angaben der Regierung am Mittwoch um 18.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 Uhr MEZ) in Kraft. Die Menschen sollen zu Hause bleiben, alle Schulen und die meisten Geschäfte wurden geschlossen. Zwischen den Inseln sollen keine Boote mehr fahren, auch der Flugverkehr wurde eingestellt.

Vulkanausbruch im Januar zählt zu den schwersten seit Jahrzehnten

Tonga hatte seine Grenzen erstmals Anfang 2020 geschlossen, um sich vor der globalen Corona-Krise zu schützen. Seitdem war in dem Inselstaat mit 100.000 Einwohnern nur ein einziger Corona-Fall bei einem Reiserückkehrer aus Neuseeland registriert worden.

Der Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha'apai Mitte Januar war einer der schwersten seit Jahrzehnten. Die Eruption führte in Tonga und an weit entfernten Küsten von Japan bis in die USA zu Flutwellen. Ein Dorf auf der Insel Mango wurde vollständig zerstört, während in mehreren anderen Dörfern, die über den gesamten Archipel verstreut sind, nur wenige Häuser noch stehen.