Rom - Bei einem Seilbahn-Absturz am Lago Maggiore im Norden des Landes sind am Pfingstsonntag 14 Menschen ums Leben gekommen. Eines der zwei schwerverletzten Kinder sei am Abend an seinen Verletzungen gestorben, teilte die Bergwacht mit.

Das Unglück ereignete sich nach Angaben des Infrastrukturministeriums gegen 12.30 Uhr rund hundert Meter vor der Bergstation der Seilbahn. Als Ursache vermutete es einen Kabelriss im obersten Bereich der Strecke. Eine Überlastung der Kabine scheint ausgeschlossen, da sie bis zu 35 Passagiere aufnehmen kann. Zum Zeitpunkt des Unfalls befanden sich 15 Menschen in der Gondel. Minister Enrico Giovannini kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an.

Fotos der Feuerwehr und des Alpinen Rettungsdienstes zeigten die in einen Wald gestürzte, zertrümmerte Kabine. Das steile Gelände erschwerte die Bergungsaktion erheblich. .

Keine Deutschen unter den Todesopfern

Unter den Toten sind anders als nach italienischen Medienberichten keine Deutschen. „Derzeit haben wir keine Hinweise, dass sich Deutsche unter den Opfern befinden“, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Sonntagabend mit. „Wir stehen zu dem tragischen Unfall der Seilbahn Stresa-Mottarone in Kontakt mit den Behörden vor Ort.“ 

Die bei Touristen beliebte Seilbahn verbindet in 20 Minuten den am Lago Maggiore gelegenen Urlaubsort Stresa mit dem fast 1500 Meter hohen Berg, der einen spektakulären Blick auf den Lago Maggiore und die Alpen bietet. Wegen Wartungsarbeiten war die Seilbahn zwischen 2014 und 2016 geschlossen.

Seilbahn-Absturz am Lago Maggiore: Entsetzen und Trauer in Italien

Das schwere Unglück sorgte landesweit für Entsetzen. Ministerpräsident Mario Draghi drückte in einer Erklärung seinen „tiefen Schmerz“ über den Verlust der vielen Menschenleben aus. Der Regionalpräsident des Piemont, Alberto Cirio, erklärte, die Tragödie raube allen den Atem.

Cirios Kollege aus der benachbarten Region Ligurien, Giovanni Toti, sprach von einer absurden Tragödie, die sich genau zu dem Zeitpunkt ereigne, an dem Italien nach monatelangem Lockdown die Aufhebung der massiven Beschränkungen genieße. Er sprach von einem „Sonntag der Wiedereröffnungen, der voller Hoffnungen sein sollte“.

EU-Ratspräsident Charles Michel sprach in einer Twitter-Botschaft auf Italienisch den „Familien und Freunden, die bei diesem tragischen Unfall einen geliebten Menschen verloren haben“, sein tiefes Beileid aus.

In Europa hat es immer mal wieder schwere Unglücke mit Seilbahnen gegeben. Zuletzt waren im September 2005 neun deutsche Skifahrer im österreichischen Sölden ums Leben gekommen, als ein Lastenhubschrauber einen Betonklotz verloren hatte, der auf eine Seilbahn stürzte.