Schwerin - Hotelbetreiber und Vermieter von Ferienwohnungen in Mecklenburg-Vorpommern haben erleichtert auf die Nachricht reagiert, ab diesem Freitag trotz Corona wieder öffnen zu dürfen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte angekündigt, dass ab dem 28. Mai wieder Urlaub für Touristen aus dem eigenen Bundesland mit Übernachtungen möglich ist. Eine Woche später, also ab dem 4. Juni, dürfen Urlauber aus anderen Bundesländern in Ferienwohnungen und Hotels übernachten. Tagesgäste können vom 11. Juni an wieder ins Land. Ursprünglich hatte Schwesig den Tourismus-Neustart für Mitte Juni geplant. Jetzt soll es also früher losgehen. Urlauber müssen bei Anreise einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter ist als 24 Stunden ist. Pro Urlaubswoche muss jeder darüber hinaus zwei negative Tests vorweisen. 

Der Präsident des Hotel-und Gaststättenverbands (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, sagte der Berliner Zeitung: „Das ist erst mal ein konsequenter und notwendiger Schritt der Landesregierung, den wir auch gefordert haben.“ Seit Anfang November sind Hotels- und Ferienwohnungen in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen, insgesamt 202 Tage, rechnet Lars Schwarz vor. „Ostern und Pfingsten mussten wir streichen. Nach dieser Zwangsschließung wird der folgende Sommer für uns der wichtigste aller Zeiten.“

Dehoga: Hotels in MV waren etwa 200 Tage geschlossen

Weil die Inzidenzen in dem Bundesland seit Wochen sinken, haben Lars Schwarz und seinen Kollegen auf einen klaren Öffnungsplan gedrängt. Und den gibt es jetzt. Seit Pfingstsonntag ist die Innen-und die Außengastronomie in Mecklenburg-Vorpommern offen. Wenn sich Urlauber regelmäßig mit einem Antigen-Schnelltest auf das Coronavirus testen lassen, vollständig geimpft oder genesen sind, dürfen sie ab Freitag übernachten.

Schwarz weiß, dass Hotelbetreiber die Öffnung ersehnt haben. Er gibt dennoch zu Bedenken, dass Schwesigs Umplanung sehr kurzfristig passiert sei. „Einige werden ihre Häuser am Freitag noch nicht aufmachen können und brauchen vielleicht noch etwas Zeit“, meint der Dehoga-Chef.  

Ähnliches ist aus dem Ostseebad Binz auf Rügen zu hören. Harald Schewe, der dort das Hotel Villa Salve betreibt, freut sich über die Entscheidung der Landesregierung, auch wenn diese kurzfristig komme. Harald Schewe schafft die pünktliche Öffnung. Doch er sagt auch: „Wir alle müssen uns ganz schön strecken, um das jetzt hinzubekommen. Da hängt viel dran auch von der Personalplanung. Frühere Buchungen haben wir bisher absagen müssen. Jetzt geht es doch früher.“ Die Zahlung des Kurzarbeitergeldes habe seinem Personal geholfen, so der Hotelier weiter. „Doch das war eben kein volles Gehalt. Das Trinkgeld ist weggefallen. Für manche, die Verpflichtungen haben, war Corona keine einfache Zeit.“

Zu Insolvenzen in der Branche hat die Dehoga in Mecklenburg-Vorpommern keine Zahlen. „Wir gehen davon aus, dass einige die Coronakrise nicht überlebt haben“, meint Lars Schwarz.

Tourismusverband fürchtet Engpässe bei Corona-Schnelltests 

Der Landestourismusverband fürchtet hingegen, dass die Testkapazitäten nicht reichen. Er hat deswegen deren Bereitstellung gefordert. Dabei müsse auf öffentliche und unternehmerische Strukturen zurückgegriffen werden. „Es muss jetzt verbindlich kommuniziert werden, wie und wo zu testen ist. Die Anforderung steigt mit den vorgezogenen Öffnungsterminen für den Tourismus“, sagte Verbandsgeschäftsführer Tobias Woitendorf der Deutschen Presse-Agentur. Die Landesregierung wird sich am Mittwoch mit den Möglichkeiten zu Öffnungen im Tourismus befassen.

Dabei teile sich die Strategie in die Testung vor Reiseantritt und im Urlaub auf. Die Vorlage eines negativen Tests, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, sei Voraussetzung für die Anreise sowie für die Nutzung von Indoor-Angeboten vor Ort.

Um den Bedarf zu decken, sollten neben PCR- und Schnelltests in den eingerichteten Schnelltestzentren auch begleitete Selbsttests anerkannt werden. Die Selbsttests könnten auch von touristischen Dienstleistern angeboten werden, etwa Betreibern von Hotels, Museen oder gastronomischen Betrieben. Ein dezentrales und dichtes Netz sei ein wichtiger Schritt, um den Bedarf zu decken. „Nur ein einfaches und pragmatisches System mit gegenseitiger Anerkennung bringt Akzeptanz und ergibt die nötige Testmenge“, erklärte Woitendorf.