BerlinDie Tourismusexpertin Claudia Brözel ist überzeugt, dass Berlin als Ziel für Städtereisende attraktiv bleibt. „Städtereisen werden immer ihren Reiz haben. Und Berlin ist eine so attraktive Stadt, sobald die Menschen wieder reisen können, werden sie auch wieder kommen“, sagte die Professorin für Tourismus-Ökonomie an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung im brandenburgischen Eberswalde der Deutschen Presse-Agentur. „Eine Stadt zu besuchen, hat fast immer auch damit zu tun, dass ich mich historisch oder kulturell weiterbilden will, mir Dinge anschaue, die ich sonst aus Büchern kenne oder aus dem Unterricht“, sagte Brözel.

Die Hauptstadt habe in dieser Hinsicht viel zu bieten. „Man taucht in Berlin ein in die deutsche Geschichte, viele kommen deshalb hierher. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Motivation zu reisen auch nach der Corona-Krise bleibt.“ Brözel ist optimistisch, dass Berlin an die touristische Erfolgsgeschichte vor der Corona-Krise anknüpfen wird. 2019 war Berlins 17. Tourismusrekordjahr in Folge. Die Zahl der Gäste stieg auf 14 Millionen, die der Übernachtungen auf 34,1 Millionen. „Der Tourismus in Berlin ist allerdings vollkommen eingebrochen seit diesem Frühjahr. Das frühere Niveau wird nicht schnell wieder erreicht“, sagte Brözel.

Kiez-Apps können wichtiger werden

Bis die Branche sich erhole, werde es mindestens zwei, drei Jahre dauern. „Und das Angebot verändert sich, Reisen wird möglicherweise teurer. Vielleicht geht die Entwicklung dahin, weniger zu reisen und dafür länger zu bleiben.“ Für Berlin stelle sich außerdem die Frage, wie sich vermeiden lasse, dass sich die Touristen auf wenige Hotspots konzentrieren. „Die Frage ist, ob man die Besucher stärker zum Beispiel in die grünen Randbezirke lenken kann“, sagte Brözel. „Was ich immer geschätzt habe, ist, dass Berlin so wahnsinnig viel Grün und Wasser in der Stadt hat.“

Chancen, sich auf touristisches Neuland in Berlin einzulassen, sieht die Tourismusexpertin vor allem bei denjenigen, die schon Hauptstadterfahrung mitbringen: „Der Besucher, der das erste Mal nach Berlin kommt, will das Brandenburger Tor sehen und den Potsdamer Platz. Aber wenn er zum zweiten oder dritten Mal kommt, kann man sagen, das kennst du schon, wir haben aber auch noch die Hackeschen Höfe, ein Museum mit einer spannenden Ausstellung oder eben eine wunderbare Seenlandschaft.“

Tipps, wie sie die App „Going local“ der Tourismusmarketing-Organisation Visit Berlin gibt, könnten deshalb noch an Bedeutung gewinnen, sagte Brözel. Die Kiez-App bietet gerade keine Reiseführer-Empfehlungen für die touristischen Highlights, sondern Hinweise auf Sehenswertes abseits der touristischen Trampelpfade.