BerlinDutzende Berliner Träger von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung haben sich mit der Bitte um Überarbeitung der Corona-Teststrategie an den Senat gewandt. In Briefen an Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) wiesen sie auf unzureichende Regelungen hin, die ihre Bedürfnisse ausklammern würden. Dies berichtete der RBB am Freitag

Die größten Probleme sehen die Betreiber bei der Beschaffung von Tests, zudem fehle ihnen das nötige Personal. Die aktuelle Teststrategie sei lückenhaft und die Träger fühlten sich beim Einsatz der Antigen-Schnelltests alleingelassen, sagte die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Barbara Eschen. Besonders problematisch sei die existierende Vorgabe, dass nur medizinisches Pflegepersonal die Schnelltests durchführen dürfe. Die Angestellten in Behinderteneinrichtungen seien oft nicht entsprechend ausgebildet. 

In der Not hätten die Einrichtungen deshalb bereits zu Notlösungen gegriffen. Sie hätten nach RBB-Informationen die Tests auch ohne das eigentlich vorgeschriebene Pflegepersonal durchgeführt oder bereits pensionierte Pflegekräfte dafür eingesetzt.

Die Senatsverwaltung für Soziales hat die Vorwürfe indes zurückgewiesen. Eine Sprecherin gab an, die Träger bekämen künftig die „zwei- bis dreifache Menge an Schnelltests, damit sie in den kommenden zwei bis drei Monaten damit testfähig sind“. Die Bedingung sei jedoch, dass die Einrichtungen qualifiziertes Personal bereitstellen müssten. „Wenn das nicht der Fall ist, organisiert unser Krisenstab in Amtshilfe solches von anderer Stelle und vermittelt es dann“, so die Gesundheitsverwaltung.

Laut dem Brief eines Trägers der Behindertenhilfe stellt sich die Situation in der Praxis jedoch anders dar. Darin heißt es, dass die Einrichtungen die Schnelltests selbst organisieren müssten und dabei teils hohe bürokratische Hürden zu überwinden hätten. „Um jeden Test muss gekämpft werden“, heißt es in dem Brief. „Wir müssen langwierig erklären, warum es zum Beispiel notwendig ist, Tests in den besonderen Wohnformen durchzuführen und dass auch Menschen mit Behinderungen Kontakte außerhalb ihrer Wohnung pflegen und einer Arbeit oder Beschäftigung nachgehen.“