Berlin - Das konnte nicht gutgehen. Am Freitagnachmittag traf sich der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit den beiden Klimaaktivisten Lea Bonasera und Henning Jeschke zum Gespräch. Er löste damit ein Versprechen ein, das er den beiden gegeben hatte, damit sie ihren insgesamt 27-tägigen Hungerstreik beenden. Die Diskussion, die in den Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung stattfand, wurde live im Internet übertragen. Sie offenbarte vor allem eines: Wenn emotionale Aktivisten auf den Scholzomat treffen, führt das eher zur Eskalation als zur Verständigung. Und so kündigten die beiden Aktivisten von der Gruppe „Letzte Generation“ am Ende an, dass es ab Januar Aktionen des zivilen Widerstands geben werde, wenn Scholz nicht bis Ende des Jahres seine Politik ändere. „Wir werden die Bundesrepublik zum Stillstand bringen“, sagte Jeschke.

dpa/Jörg Carstensen
Lea Bonasera und Henning Jeschke während ihres Hungerstreiks. 

Das Gespräch mit dem mutmaßlichen nächsten Kanzler geriet recht schnell aus dem Tritt. Bonasera und Jeschke forderten von Scholz anzuerkennen, dass es bei der Klimapolitik längst nicht mehr um die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels gehe. Es sei in der Wissenschaft längst Konsens, dass sich dies nicht mehr erreichen lasse und sich die Erde in absehbarer Zeit um mindestes zwei Grad erwärmen werde. „Es geht um Leben und Tod“, so Jeschke. Scholz konnte mit dieser Generalaussage sichtlich wenig anfangen. Er konterte die teils heftigen Attacken mit dem unterkühlten Temperament des Hamburgers. „Ja, das ist eine sehr ernste Lage“, beschrieb Scholz die drohende Klimakatastrophe und erntete dafür schiere Verzweiflung.

Mit Verweis auf die Kipp-Punkte des Weltklimas erklärten die Aktivisten, es sei schon in drei oder vier Jahren zu spät für ein Umsteuern. Es müsse viel schneller viel mehr geschehen. Scholz dagegen verwies auf den Plan, die Industrie bis 2045 klimaneutral zu machen. Der SPD-Politiker sprach vom Stahl, seine beiden Kontrahenten von Missernten, Dürre und Milliarden Klimaflüchtlingen. Daraufhin warf der SPD-Politiker ihnen vor, sie würden nicht einen konkreten Vorschlag unterbreiten, sondern vor allem auf Panik setzen. Damit aber machten sie es sich viel zu bequem. Henning Jeschke warf Scholz und anderen Politikern daraufhin vor, sie würden den Ernst der Lage nicht begreifen oder begreifen wollen. Das verärgerte Scholz. „Wie kommen Sie eigentlich zu dieser größenwahnsinnigen Selbsteinschätzung?“ , fragte er seine Gesprächspartner.

Bonasera und Jeschke waren im September mit anderen Aktivisten wochenlang im Hungerstreik. Zuletzt verweigerten beide auch das Trinken, um Gespräche mit allen Kanzlerkandidaten zu erzwingen. Der Parteivorsitzende der Grünen, Robert Habeck,  hatte die Protestierer in ihrem Zelt besucht, Scholz hatte sich kurz vor dem Wahlsonntag zu einem Gespräch nach der Wahl bereiterklärt. Geklärt hat es allerdings nichts.