West-Nil-Fieber: RKI meldet Infektionen in Berlin

Seit einigen Jahren breitet sich die Krankheit vor allem in Ostdeutschland aus. Sie wird wohl durch Mückenstiche übertragen.

Das West-Nil-Fieber kann durch Mückenstiche übertragen werden.
Das West-Nil-Fieber kann durch Mückenstiche übertragen werden.imago/Andreas Gora

Die Zahl der nachgewiesenen Ansteckungen mit dem West-Nil-Virus bei Menschen in Deutschland ist in dieser Saison auf zehn angestiegen. Das geht aus einer Datenbank des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Die Grippeähnliche Tropenkrankheit wird wohl meist von Mücken übertragen und hat sich erst in den letzten Jahren auch in Europa ausgebreitet.

2019 waren erste Ansteckungen bei Menschen in Deutschland bekannt geworden, die zuvor nicht verreist waren. Dem RKI zufolge wurde 2018 hierzulande erstmals eine Übertragung zwischen Stechmücken und Vögeln dokumentiert – vermutlich sei das ursprünglich aus Afrika stammende Virus aber schon wenige Jahre zuvor nach Deutschland gelangt. Angenommen wird, dass der Erreger mittlerweile auch hierzulande überwintern kann. Er war in den vergangenen Jahren vor allem in Ostdeutschland nachgewiesen worden.

Fallzahlen in Deutschland bisher überschaubar

Die bisherigen Meldungen kamen laut RKI-Angaben in dieser Saison aus Berlin (3), Sachsen (3), Sachsen-Anhalt (3) und Nordrhein-Westfalen (1). Einzelne Nachmeldungen seien noch möglich. Dabei wurden mit bisher zehn Fällen bereits jetzt doppelt so viele Fälle dokumentiert wie in der Vorsaison – jedoch weniger als 2020, als 30 Fälle gemeldet worden waren.

Verglichen mit einigen südlichen Ländern Europas sind die Fallzahlen in Deutschland bislang relativ überschaubar: Nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC wurden in der diesjährigen Übertragungssaison rund 950 Fälle in EU-Staaten erfasst, mehr als 570 davon in Italien und rund 280 in Griechenland. Zudem seien in diesem Jahr insgesamt 72 Menschen am West-Nil-Fieber gestorben.

Die Krankheit verläuft nach RKI-Angaben meist unauffällig. Etwa jeder fünfte Infizierte entwickle eine grippeähnliche Erkrankung mit Fieber. Etwa einer von 100 Infizierten erkranke schwer. Daher gehen Experten von einer höheren Dunkelziffer nicht erkannter Ansteckungen aus. Als gefährdet für schwerere Verläufe gelten ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Diesen wird empfohlen, sich insbesondere in der Saison und in betroffenen Gebieten vor Mückenstichen zu schützen. In einer Untersuchung von 2020 hielten RKI-Experten fest: „Vor allem längere Sommer mit hohen Temperaturen könnten zu einer verlängerten WNV-Saison und einer weiteren räumlichen Ausbreitung beitragen.“