Das Bundesgesundheitsministerium von Karl Lauterbach (SPD) sieht keinen Änderungsbedarf an der verkürzten Gültigkeitsdauer des Genesenen-Status auf drei Monate. Am Dienstag hatten sich die EU-Mitgliedstaaten darauf geeinigt, dass der Genesenen-Status europaweit sechs Monate lang gültig sein soll. Diese Empfehlung ist rechtlich allerdings nicht bindend, wie auch das Bundesgesundheitsministerium erklärt. Auf Anfrage des Nachrichtenportals Business Insider stellte das Ministerium klar, dass es keine erneute Änderung geben werde.

Ein Sprecher der EU-Kommission hatte dem Business Insider nach der Einigung der EU am Dienstag gesagt: „Das Mindeste, was wir alle erwarten können, ist, dass die Mitgliedstaaten diese Empfehlung auch umsetzen.“ Da sich die Omikron-Variante mittlerweile in ganz Europa verbreitet habe, solle nun auch geprüft werden, die in einigen Mitgliedstaaten eingeführten Reisebeschränkungen wieder aufzuheben.

Gesundheitsministerium: Sechs Monate Gültigkeit sind Obergrenze

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums begründete die Haltung damit, dass die EU sich in ihrer Empfehlung nicht auf eine sechsmonatige Gültigkeit des Genesenen-Status geeinigte habe, sondern auf sechs Monate als Obergrenze. In der Verordnung heiße es, „dass Genesenenzertifikate frühestens 11 Tage nach positivem PCR-Test und höchstens 180 Tage gelten“. Die deutsche Regelung bewege sich in diesem Rahmen.

Zwar wäre es aus Sicht des BMG wünschenswert, wenn in Europa einheitliche Regeln gelten, so der Sprecher gegenüber Business Insider weiter, doch es herrschten in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Pandemie-Dynamiken. Deutschland befinde sich mitten in der Welle, weshalb der verkürzte Genesenenstatus hierzulande zu rechtfertigen sei. Es sei nicht auszuschließen, dass andere europäische Länder ebenfalls von der Empfehlung abweichen.

Lauterbach will verkürzten Genesenen-Status europaweit umsetzen

Am Abend verteidigte Lauterbach die Drei-Monats-Frist und verkündete, er wolle sich um Umsetzung auch auf europäischer Ebene bemühen. „Wir werden in Kürze erneut versuchen, die drei Monate auch auf europäischer Ebene umzusetzen“, sagte der SPD-Politiker im ZDF-„heute journal“. „Nach drei Monaten kann sich derjenige, der schon mit der Delta-Variante infiziert war, erneut mit der Omikron-Variante infizieren. Somit sind die drei Monate wissenschaftlich richtig“, betonte Lauterbach.

Das Robert-Koch-Institut hatte mit Wirkung zum 15. Januar neue Richtlinien für den Genesenenstatus veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass der Status statt wie bisher sechs Monate nur noch drei Monate (90 Tage) gültig ist. Als genesen gilt, wer ein positives PCR-Testergebnis vorweisen kann, das mindestens 28 Tage zurückliegt. Daran gab es Kritik, unter anderem von den Länder-Chefs. (mit dpa)