Prenzlau/Eberswalde - Die letzten beiden Corona-Impfzentren in Brandenburg schließen an diesem Donnerstag in Prenzlau (Uckermark) und Eberswalde (Barnim). Das teilte das Gesundheitsministerium mit. In den vergangenen neun Monaten wurden mehr als eine Million Impfungen in den insgesamt 13 Impfzentren im Land verabreicht. Ab 1. Oktober werden Corona-Impfungen planmäßig angeboten – dann übernehmen niedergelassene Ärzte, ärztliche Einrichtungen und Betriebsärzte die Corona-Schutzimpfungen vollständig. Über 1700 ambulant tätige Ärzte und bis zu 35 mobile Impfteams in kommunaler Verantwortung bieten das nun an.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) dankte Hilfsorganisationen, Bundeswehr und den Kommunen für ihre Arbeit in den vergangenen Monaten. Sie warb weiter für die Corona-Impfung. Denn: „Noch sind wir nicht am Ziel.“ In Brandenburg haben bislang 61,3 Prozent der Bevölkerung eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten, 58,2 Prozent sind vollständig geimpft. Damit liegt das Land bei den Zweitimpfungen im Vergleich mit den anderen Bundesländern auf dem vorletzten Platz. Insgesamt 11.170 Menschen haben mit Stand Dienstag eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Brandenburg: 219 neue Corona-Infektionen am Mittwoch 

Unterdessen schnellt die Zahl der neuen Corona-Infektionen innerhalb eines Tages wieder in die Höhe. Nach 79 neuen Infektionen am Dienstag lag die Zahl am Mittwoch bei 219. Die Zahl der Patienten, die wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden, stieg gegenüber dem Vortag leicht an – von 56 auf 58. Mit Stand Dienstag wurden 18 Menschen intensivmedizinisch betreut, hiervon mussten 16 beatmet werden.

Die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz – also die Anzahl der zu Behandelnden auf Intensivstationen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage – beträgt 1,15 nach 1,30 zuvor. Landesweit sind 1,7 Prozent der verfügbaren Intensivbetten in Krankenhäusern mit Covid-Patienten belegt. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank von 34,7 auf 34,5.

Christian Drosten warnt vor vierter Corona-Welle im Herbst 

Eine vierte Corona-Welle im Herbst, wie sie sich für den Virologen Christian Drosten mancherorts andeutet, ist aus Sicht des Gesundheitsministeriums im Land derzeit nicht eindeutig vorhersehbar. In Regionen mit hohem Anteil von Menschen ohne Immunschutz könne die Infektionsdynamik sehr hoch werden, sagte Sprecher Dominik Lenz am Mittwoch. „Klar ist: je höher die Rate der Ungeimpften, desto höher die Infektionsdynamik.“ Die vierte Welle werde primär eine Welle der Ungeimpften sein, deren Anteil aber abnehmend sei. Der Anstieg hänge darum weiterhin von Faktoren wie der Einhaltung von Hygiene und Abstandsregeln sowie dem Reiseverhalten in den Herbstferien ab.

Drosten hält die derzeitige Beruhigung der bundesweiten Corona-Infektionszahlen nur für ein vorübergehendes Phänomen. Es sei schon zu sehen, dass in ostdeutschen Bundesländern die Inzidenz offenbar unabhängig vom Ferienende wieder Fahrt aufnehme. „Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden“, sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Dienstagabend in einem Auszug aus dem Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info.

Kritik: Noch immer keine mobilen Luftfilter in den Grundschulen 

Der Brandenburger Pädagogenverband (BPV) blickt mit Sorge auf die kühlere Jahreszeit. „Wir haben die Grundschulen noch immer nicht mit mobilen Luftfiltern versorgt“, sagte Präsident Hartmut Stäker. „Wir brauchen die Filter noch vor dem Winter, nicht erst im nächsten Jahr.“

Brandenburgs Bildungsministerium hatte vor mehr als einem Monat angekündigt, mit dem Bund über die Auszahlung der finanziellen Hilfen für die Anschaffung von mobilen Luftfiltern in Grundschulen zum Schutz gegen Corona-Infektionen zu verhandeln. Das Verfahren sei sehr aufwendig, weil die Länder die Bundesförderung selbst an die freien und kommunalen Träger weiterreichen müssten, hatte das Ministerium kritisiert.