Panama City Beach - Als er noch ein Kind war, haben die Ärzte ihm gesagt, dass aus dem Schwimmen wohl nie etwas werden wird. 20 Jahre später ist er 3,8 Kilometer am Stück geschwommen. Und danach 42,195 Kilometer gelaufen. Und zwischendurch 180,2 Kilometer mit dem Rad gefahren. Chris Nikic hat einen „Ironman“ geschafft, den härtesten Triathlon der Welt, und er hat das Down-Syndrom. Mit seiner Leistung schreibt der 22-Jährige Geschichte: Er ist der erste „Ironman“-Finisher mit Trisomie 21. 

Der Schweizer Tagesanzeiger hat Chris und seinen Vater Nik Nikic aktuell zum Interview getroffen. Die Idee mit dem „Ironman“ keimte demnach auf, als der Vater auf ein Triathlon-Programm von Special Olympics stieß, erzählen die beiden. Das sollte dem Sohn in erster Linie zu einer besseren  körperlichen und geistigen Verfassung verhelfen. Denn Chris musste 2017 zwei größere Operationen über sich ergehen lassen. Danach zog er sich in sein Zimmer zurück, bewegte sich kaum noch – und legte an Gewicht zu. 

Chris Nikic muss mehr trainieren als andere Athleten – noch mehr 

Dann nahm das Wunder seinen Lauf: Schon nach wenigen Monaten des paralympischen Programms nimmt Chris an seinem ersten Wettkampf teil. Er kommt als Letzter ins Ziel, ist aber stolz und glücklich. Warum also nicht gleich einen „Ironman“, denkt sich der 22-Jährige. Anfangs wird er noch von Vater Nik gecoacht, inzwischen betreuen ihn mehrere Trainer.  

Chris ist in einer Laufgruppe, schwimmt mit anderen zusammen und ist Mitglied bei einem Triathlon-Club. Dort gehört er richtig dazu, sagt er. Anders als damals in seinen Kindertagen, als er nie zu den Partys der Anderen eingeladen wurde. Heute hält er Reden vor vielen Menschen. Wie es dazu kam? „Ich bin jetzt ein ‚Ironman‘“, antwortet Chris lakonisch. Auf seinem Instagram-Profil zeigt er sich mit einer Trainingspartnerin vor der Drei-Kilometer-Einheit im See.

Ein „Ironman“ ist eine außergewöhnliche Leistung, sportlich wie mental. Ihn zu bewältigen, erfordert eine gehörige Menge Disziplin und Willensstärke. Bei Chris Nikic weitaus mehr, als bei nicht-beeinträchtigten Sportlern. Er muss sich jeden Meter – im Wasser, an Land, auf dem Rad – hart erkämpfen. Denn durch das Downsyndrom wachsen seine Muskeln langsamer. Und das bedeutet: Er muss noch mehr trainieren. 

Anfangs schaffte er keine Liegestütze, heute sind es mehr als 200 

Vater Nik, anfangs auch Chris' Trainingspartner, hat deshalb die Ein-Prozent-Methode entwickelt: Jeden Tag ein Prozent besser sein als am vorherigen Tag. 2017 hat Chris mit dem Training begonnen – und konnte kaum eine Bahn im Schwimmbecken zurücklegen, geschweige denn einen Kilometer rennen. Er schaffte keine Liegestütze, keine Rumpfbeugen. Heute sind es über 200 Liegestütze. Dank der Ein-Prozent-Methode: Jeden Tag einen mehr. 

Chris Nikic ist ein Ausnahmemensch. Und deshalb ist er, natürlich, noch lange nicht fertig. Auf die Frage, welche Träume er noch habe, antwortet er lässig: „Ein eigenes Haus kaufen, ein eigenes Auto kaufen – und eine heiße Blondine aus Minnesota heiraten. “