Washington -  Der frühere US-Präsident Donald Trump hat den 20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September für Attacken gegen seinen Nachfolger Joe Biden genutzt. In einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft warf Trump dem Demokraten „Inkompetenz“ beim Afghanistan-Abzug vor und sagte, der Präsident habe wie ein „Dummkopf“ gewirkt.

In dem Video bezeichnete Trump zunächst den 11. September 2001 als „sehr traurigen Tag“ und würdigte den Einsatz der Rettungskräfte bei den Anschlägen. Dann ging er direkt zur Kritik an Biden über. „Es ist auch eine traurige Zeit wegen der Art und Weise, wie vergangene Woche unser Krieg gegen jene endete, die unserem Land so viel Schaden zugefügt haben.“ Er bezog sich damit auf den vielfach kritisierten, chaotischen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan.

Nicht nur seien bei einem Anschlag am Flughafen von Kabul Ende August 13 US-Soldaten getötet worden, sagte Trump. Auch sei den USA Militärausrüstung im Wert von 85 Milliarden Dollar „weggenommen“ worden, „ohne dass auch nur ein Schuss abgefeuert wurde“. Trump spielte damit auf militärische Ausrüstung an, die die USA den afghanischen Streitkräften überlassen hatten und die dann in die Hände der radikalislamischen Taliban fiel.

Trump: „schlechte Planung, unglaubliche Schwäche“

„Der Anführer unseres Landes sah aus wie ein Dummkopf, und das darf nie wieder passieren“, sagte Trump. Das Chaos beim Afghanistan-Abzug gehe auf „schlechte Planung, unglaubliche Schwäche und Anführer zurück, die wirklich nicht verstanden haben, was passiert“. Biden und seine „unfähige“ Regierung hätten in Afghanistan kapituliert. „Wir werden Schwierigkeiten haben, uns von der Peinlichkeit zu erholen, die diese Inkompetenz verursacht hat“, sagte der Rechtspopulist.

Die Taliban hatten inmitten des von Biden angeordneten Truppenabzugs aus Afghanistan die Macht in dem Land an sich gerissen. Es war eine schwere Demütigung für die USA, die nach den Terroranschlägen von 2001 in Afghanistan einmarschiert waren und die Taliban, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida Unterschlupf gewährt hatten, von der Macht vertrieben hatten. Allerdings war es Trump, der den Taliban im Februar 2020 einen vollständigen Truppenabzug im Jahr 2021 zugesagt hatte.

Berliner Verlag
Der Podcast „Wo warst Du?“

Anja Reich und Alexander Osang leben am 11. September 2001 mit ihren Kindern in New York. Der Tag beginnt wie jeder andere. Dann schlagen die Flugzeuge ins Word Trade Center. Osang, Reporter beim Spiegel, rennt zu den brennenden Türmen, Reich bleibt bei den Kindern. Bald brechen alle Verbindungen ab …

Erst Jahre später erzählen sie einander, was sie am Tag des Terrors erlebt haben. Daraus wird ein Buch, das es nun als Hörbuch gibt, gelesen von den Autoren: 9/11 - Ein Paar, zwei Erzählungen. Sechs Folgen – ab 6. September 2021 auf allen Podcast-Portalen und auf www.berliner-zeitung.de

Eine Produktion von Berliner Zeitung, 
Der Spiegel und Radioeins.

Boxkampf-Kommentar statt Gedenkzeremonie

Der Ex-Präsident hat seinen Nachfolger wegen des Truppenabzugs wiederholt scharf kritisiert. Dass Trump dies jetzt auch an dem Tag tat, an dem landesweit der fast 3000 Todesopfer von 9/11 gedacht wird, ist ein klarer Bruch mit den Gepflogenheiten. Biden hatte das Land in seiner Videoansprache zum 20. Jahrestag der Anschläge zur Einheit aufgerufen.

Anders als die Ex-Präsidenten Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton sollte Trump am Samstag an keiner offiziellen Gedenkzeremonie teilnehmen. Er wollte dafür am Abend für einen Streamingsender einen Boxkampf kommentieren. Trump ist nach wie vor der starke Mann bei den konservativen Republikanern und flirtet offen mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur 2024.