Trump-Anhänger in Tulsa.
Foto: AP/Ian Maule

TulsaIm Vorfeld seines ersten öffentlichen Wahlkampfauftritts seit Beginn der Corona-Pandemie hatte Donald Trump angekündigt, fast eine Million Menschen hätten ein Ticket für die Veranstaltung angefragt. Am Wochenende in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma zeigte sich jedoch, dass viele der 19.000 Plätze im BOK Center leer blieben. Eine geplante Ansprache Trumps vor der Veranstaltungshalle für all jene, die im Inneren keinen Platz gefunden hätten, wurde sogar gestrichen. Vor der Arena herrschte gähnende Leere.

Laut dem Sender CNN kam es in den sozialen Medien offenbar zu Aufrufen, sich für Trumps Veranstaltung zu registrieren, und dann nicht zu erscheinen. Dazu zählt auch TikTok, eine Plattform für Kurzvideos, die besonders bei Jugendlichen populär ist.

Ein Clip stammt von Mary Jo Laupp, alias „TikTok Oma“, und soll einer der ersten sein, in dem dazu aufgerufen wurde, Tickets für Trumps Wahlkampfauftritt zu reservieren und dann nicht hinzugehen. „Alle von uns, die dieses Auditorium mit 19.000 Sitzplätzen sehen wollen, das kaum gefüllt oder völlig leer ist, reservieren jetzt Tickets und lassen ihn allein auf der Bühne stehen“, sagte Laupp. Für den Antrag auf Reservierung ist nur die Angabe einer Handynummer erforderlich.

Viele Nutzer sprangen auf den Zug auf und ließen sich humorvolle Ausreden einfallen, warum sie Tickets für Trumps Auftritt angefragt hätten, dann aber doch nicht hingehen konnten. Die New York Times berichtete zudem, dass sich Gruppen von Korea-Pop-Fans ebenfalls an der Aktion beteiligten. Diese Gruppen werden zunehmend politisch aktiv und brachten erst vor kurzem einen Server der Trump-Kampagne zum Absturz.

Steve Schmidt, ein ehemaliger Parteistratege der Republikaner, schrieb im Onlinedienst Twitter, allein seine 16-jährige Tochter und deren Freunde hätten „hunderte“ Tickets bestellt. Zahlreiche andere Eltern antworteten dem Trump-Kritiker, dass auch ihre Kinder an der Aktion teilgenommen hätten.

Das Wahlkampfteam von Donald Trump machte Demonstranten für den ausgebliebenen Ansturm verantwortlich. Kampagnen-Mitarbeiterin Mercedes Schlapp sagte am Sonntag im Sender Fox News, viele Trump-Fans seien wohl wegen sich abzeichnender Proteste am Veranstaltungsort „beunruhigt“ gewesen. Es habe auch Demonstranten gegeben, die Teilnehmern den Zugang „versperrt"“hätten. Aus diesem Grund seien gerade Familien mit Kindern nicht zu dem Auftritt gekommen.

Die Entscheidung, die erste Kundgebung der Trump-Kampagne ausgerechnet in Tulsa – dem Ort eines der schlimmsten Vorfälle von rassistischer Gewalt in der Geschichte der USA – abzuhalten, stieß bei landesweiten Protesten gegen Polizeibrutalität und Rassenungleichheit auf breite Kritik.