Erster Truppenbesuch nach Mobilmachung: Putin feuert mit Scharfschützengewehr

Immer mehr Russen kritisieren Putins Teilmobilmachung für den Ukraine-Krieg. Nun zeigte sich der Kreml-Chef demonstrativ beim Truppenbesuch.

Zum ersten Mal seit Verkündung der Teilmobilmachung besuchte der Kreml-Chef die russischen Truppen.
Zum ersten Mal seit Verkündung der Teilmobilmachung besuchte der Kreml-Chef die russischen Truppen.imago/ITAR-TASS

Fast acht Monate nach Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine hat sich Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag erstmals auf einem Truppenübungsplatz in Aktion filmen lassen. Das russische Staatsfernsehen zeigte unter anderem, wie der Oberbefehlshaber unter einem Tarnnetz liegend ein Scharfschützengewehr vom Typ Dragunow abfeuerte. Anschließend sprach er auf dem Areal in Rjasan rund 200 Kilometer südöstlich von Moskau mit Soldaten.

Der Besuch erfolgte inmitten von Kritik an einer schlechten Vorbereitung russischer Soldaten für den Krieg in der Ukraine. So klagen etwa die Frauen von Rekruten, ihre Männer würden nahezu ohne Ausrüstung an die Front geschickt. Soldaten müssten zum Beispiel Rucksäcke, Medikamente, Thermounterwäsche und Socken selbst kaufen.

Verteidigungsminister Schoigu an Putins Seite

An Putins Seite war erstmals seit einiger Zeit auch wieder Verteidigungsminister Schoigu zu sehen. Dessen Abwesenheit in der Öffentlichkeit hatte zuletzt Spekulationen über einen Machtverlust genährt. Nun kontrollierten die beiden russischen Politiker gemeinsam und vor laufender Kamera demonstrativ die Ausrüstung der Soldaten.

Putin, gemeinsam mit Verteidigungsminister Schoigu (links) und dem Kommandeur der Luftwaffe Anatoly Kontsevow (rechts).
Putin, gemeinsam mit Verteidigungsminister Schoigu (links) und dem Kommandeur der Luftwaffe Anatoly Kontsevow (rechts).AP

Schoigu habe Putin in Rjasan unter anderem über die Ausbildung für Soldaten informiert, die nach einer Teilmobilmachung in die Armee eingezogen worden seien, hieß es. Jeder Soldat verbrauche während der Vorbereitung auf den Krieg mindestens 600 Schuss Munition und werfe fünf Handgranaten, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Putin hatte erst am Mittwoch im nationalen Sicherheitsrat betont, neu einberufene Soldaten müssten „mit allem versorgt werden, was sie brauchen“. Dies betreffe insbesondere die Ausrüstung, Ernährung und medizinische Versorgung. Der Präsident hatte zudem die monatliche Zahlung von mindestens 195.000 Rubel (etwa 3225 Euro) an Soldaten angeordnet, die durch die Teilmobilmachung in den Krieg ziehen.