Berlin/Tübingen - In der Diskussion um den richtigen Umgang mit der Corona-Krise bahnt sich ein Streit zwischen SPD-Politiker Karl Lauterbach und dem Bürgermeister von Tübingen Boris Palmer an. Grund: Karl Lauterbach hat am Mittwoch große Zweifel am Konzept von Boris Palmer geäußert. Dabei stützt Lauterbach seine Kritik nach Angaben von Palmer auf falsche Zahlen.

Anders als der Rest von Deutschland geht Boris Palmer einen Sonderweg. Mit einem Modellprojekt will der streitlustige Grünen-Politiker beweisen, dass Öffnungen mit mehr Tests möglich sind. Ausgewählte Geschäfte, Außengastronomie und Kultureinrichtungen wie Theater dürfen Gäste mit einem Testzertifikat empfangen und bedienen. Es komme „darauf an, ob wir zeigen können, dass mehr Öffnungen und mehr Sicherheit zusammengehen“, sagte Palmer zum Start des einzigartigen Versuchs.

Laut Boris Palmer verwendet Karl Lauterbach falsche Zahlen für sein Urteil

Karl Lauterbach, der zuletzt noch härtere Lockdown-Maßnahmen gefordert hatte, glaubt nicht an einen möglichen Erfolg des Modells. „Auch Tübingen schafft es nicht. Die Tests für Schulen und Betriebe fehlen noch, der Aufbau dauert“, so Lauterbach am Mittwoch bei Facebook.

Und weiter: „Ausgangssperren bei Inzidenz über 100 zumindest ab 20 Uhr wäre wirksam und unbürokratisch. Kommen werden sie später sonst ohnehin. Weil die Welle nicht vom Wetter gestoppt wird.“ Dazu veröffentlichte der SPD-Politiker eine Grafik, die die Inzidenz von Tübingen zeigen soll.

„Die Stadt hat völlig andere Zahlen“

Rund 20 Minuten später entgegnete Boris Palmer unter dem Stichwort „Falsche Zahlen“ am Mittwoch: „Lieber Herr Lauterbach, wir testen alle Schulen durch. Wir testen ab Freitag auch die Kitas durch. Wir haben die Arbeitgebertestung begonnen. Und Ihre Zahlen sind aus dem Landkreis. Die Stadt hat völlig andere Zahlen.“ Dann rät er Lauterbach: „Erst informieren, dann urteilen.“

Zugleich macht Boris Palmer Karl Lauterbach ein offensives Gesprächsangebot. Und schreibt: „Gerne mehr am Telefon. Sie werden sofort durchgestellt.“