Can Dündar bei einer Preisverleihung im Willy-Brandt-Haus in Berlin.
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IstanbulDas Vermögen des Journalisten Can Dündar soll nach einem Gerichtsentscheid in der Türkei beschlagnahmt werden. Die Justiz erklärte den in Deutschland lebenden Dündar als „flüchtig“, wie aus einem Gerichtsbericht vom Mittwoch hervorgeht. Es sei ein Treuhänder ernannt worden, um Teile seines Eigentums zu verwalten. Beschlagnahmt werden sollten unter anderem Immobilien und Bankkonten.

Das Gericht hatte zuvor entschieden, dass Dündar 15 Tage Zeit habe, sich der türkischen Justiz zu stellen – sonst würde er als flüchtig erklärt. Der im Exil lebende Dündar twitterte kurz nach der Entscheidung: „Das wahre Zuhause eines Menschen ist seine Heimat. Wir 82 Millionen Bürger sind in Wahrheit kurz davor, dieses große Zuhause in der Dunkelheit zu verlieren.“

Laut Gerichtsprotokoll hatte die Verhandlung eigentlich am 14. Oktober stattfinden sollen. Weil Dündar sich aber nicht innerhalb der Frist gemeldet hatte, wurde die Verhandlung am Mittwoch nach deren Ablauf abgehalten.

Dündar ist als Ex-Chefredakteur der Zeitung „Cumhuriyet“ in der Türkei unter anderem wegen Terrorvorwürfen angeklagt. Er lebt seit dem Spätsommer 2016 in Deutschland.

Er war im November 2015 wegen des Verdachts der Spionage und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommen worden, nachdem er den türkischen Geheimdienst beschuldigt hatte, Waffen an islamistische Milizen in Syrien geliefert zu haben. Er verbrachte drei Monate in türkischer Untersuchungshaft.