Düsseldorf - Starke Unwetter haben vor allem im Westen Deutschlands teilweise für massive Überflutungen gesorgt. Aber auch in Sachsen und in Thüringen haben Starkregen erhebliche Schäden angerichtet und Unfälle verursacht. Bereits zum Start ins Wochenende war ein 65-jähriger Arbeiter am Freitag auf einer Tunnelbaustelle in Stuttgart ums Leben gekommen. Nach ersten Erkenntnissen war durch starken Regen ein unterirdischer Bach stark angeschwollen, das Wasser unterspülte ein Gerüst und riss es um – und mehrere Arbeiter mit sich. Während drei von ihnen in ein Krankenhaus gebracht wurden, konnte der 65-Jährige nur noch tot geborgen werden.

Am Hauptbahnhof in Stuttgart stand das Wasser am Wochenende zeitweise bis zu 30 Zentimeter hoch, wie ein Sprecher der Polizei am frühen Sonntagmorgen mitteilte. Das Wasser konnte demnach unter anderem aufgrund verstopfter Gullys nicht schnell genug ablaufen. In Regionen wie Niederbayern, aber auch in Sachsen und Thüringen kam es am Samstag zu Autounfällen, überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern. 

Starkes Unwetter lässt Sachsens Straßen und Keller überfluten

Starkregen hat am Samstag im Zwickauer Land in Sachsen zu mehreren Straßensperrungen und vollgelaufenen Kellern geführt. Eine Straßenunterführung unter der Autobahn 4 sei wegen der großen Wassermenge unpassierbar gewesen, teilte ein Polizeisprecher am Sonntag mit. „Ein Auto stand bis zur Oberkante im Wasser und musste abgeschleppt werden.“ Auch eine Unterführung an einer Abfahrt der Bundesstraße 93 musste wegen meterhoher Wassermassen gesperrt werden. In beiden Fällen wurde niemand verletzt.

Stark betroffen war nach Feuerangaben auch der Ort Langenweißbach im Erzgebirge. „Die kleine Ortfeuerwehr hatte in wenigen Stunden 35 Einsätze. Das Wasser ist quer durch den Ort gelaufen“. Bäche seien über die Ufer getreten, zahlreiche Keller mussten leergepumpt werden. Das Unwetter in Zwickau und Umgebung sei sehr punktuell aufgetreten, ungefähr zwischen 17 und 19 Uhr. „Wir bekamen rund 170 Anrufe. Am Vormittag war noch völlig blauer Himmel“, sagte der Feuerwehrsprecher.

dpa/Matthias Bein
In Wernigerode in Sachsen-Anhalt machen junge Männer trotz starken Regengüsse einen Spaziergang. 

In vielen Landesteilen Hessens hatten die Einsatzkräfte ebenfalls bis in den späten Abend hinein viel zu tun. Im Hochtaunuskreis und Wetteraukreis überfluteten heftige Regenfälle Straßen, auf einer Bundesstraße landete Geröll. Im mittelhessischen Dautphetal liefen laut Polizei 15 Keller voll.

In Mainz und Umgebung wurden die Feuerwehren am späten Freitagabend binnen zweieinhalb Stunden zu rund 100 Einsätzen gerufen. Die Helfer mussten zahlreiche vollgelaufene Keller und Tiefgaragen leer pumpen, überflutete Straßen sichern sowie nach einem Hangrutsch aufräumen, wie die Feuerwehr am Samstag mitteilte.

Zwölfjähriges Mädchen stirbt nach Blitzschlag 

In Düsseldorf wurde eine Zwölfjährige schwer verletzt. Ein Blitz war am Freitagabend nahe ihrer Radfahrer-Gruppe auf einer Straße eingeschlagen. Das Mädchen erlitt laut Feuerwehr vermutlich einen Stromschlag und stürzte. Ein Auto habe es dann erfasst.

Das Gewitter hatte auch Auswirkungen auf einen RTL-Livestream, in dem die No Angels über ihre Zukunft als Girlgroup sprechen wollten. Wegen des Unwetters konnte das Programm nicht mehr live über das normale Handynetz gesendet werden, wie ein Techniker auf der Webseite des Kölner Senders erklärte. Das Interview wurde unterbrochen und später online gestellt.

In der Stadt kam es angesichts des Wetters zu mehr als 500 Feuerwehr-Einsätzen. So schlug ein Blitz in ein Dach ein, der Dachstuhl geriet in Brand. Verletzte gab es nicht. Im nahen Hennef liefen nach Angaben der Feuerwehr zahlreiche Keller voll und Hänge rutschten ab.

Strahlender Sonnenschein im Norden von Deutschland

Ganz anders sah es im Norden aus: Dort lockte am Wochenende das gute Wetter die Menschen tags- und nachtsüber nach draußen. In der Nacht auf Samstag kam es in Hamburg und Kiel zu zahlreichen Ruhestörungen. Nachdem sich Anwohner über den Lärm beschwert hatten, räumten Einsatzkräfte in Kiel gegen 2 Uhr nachts den Schrevenpark, rund 350 Menschen mussten das Gelände verlassen.

In Hamburg schritt die Polizei ein, als es auf dem Alma-Wartenberg-Platz zu zahlreichen Verstößen gegen die Corona-Verordnungen kam. Circa 400 Besucher blockierten die Straße, hielten sich nicht an die Abstandsregeln, trugen keine Maske und tranken trotz Verbots Alkohol, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Trotzdem: Es sei zwar einiges los gewesen in der Stadt, vergleichbar mit normalen Zeiten vor der Pandemie sei die Anzahl der Menschen allerdings nicht gewesen, sagte der Sprecher.

Im Osten gibt es Höchstwerte von bis zu 28 Grad

Am Sonntag soll es dann vor allem in einem Streifen von Schleswig-Holstein bis zu den Alpen Gewitter geben. Regional soll es kräftig donnern und blitzen, auch Starkregen wird erwartet. Und es bleibt warm: Im Osten soll es Höchstwerte von 24 bis 28 Grad geben, im Rest des Landes von 18 bis 24 Grad. Westlich des Rheins soll das Schauerrisiko gering sein.

Zum Start in die neue Woche soll es warm bleiben, in der Mitte und im Süden Deutschlands können erneut Unwetter niedergehen. Erst für Mittwoch stellen die Meteorologen eine Wetterberuhigung in Aussicht.