Überraschende Studie: Darum erkälten wir uns öfter im Winter

Erkältungsviren zirkulieren das ganze Jahr über in der Bevölkerung – warum sind sie in der kalten Jahreszeit so erfolgreich? Eine Studie liefert neue Erkenntnisse.

Eine Frau putzt sich draußen im Winter die Nase.
Eine Frau putzt sich draußen im Winter die Nase.imago/Westend61

Ein Team aus Forscherinnen und Forschern der Harvard Medical School hat in einer Studie herausgefunden, warum Menschen sich im Winter öfter als im Sommer erkälten. Dabei liefern sie laut einem Bericht der National Geographic erstmals eine biologische Erklärung.

„Bisher wurde angenommen, dass Erkältungen und Grippe vor allem in den kühleren Monaten auftreten, weil sich die Menschen dann mehr in geschlossenen Räumen aufhalten, sodass die Viren sich leichter verbreiten können“, erklärt Benjamin Bleier, Professor für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Harvard Medical School in Boston. Sein Team hat nun erste Hinweise auf eine andere Erklärung gefunden, die den Stand der Wissenschaft erweitern könnte.

Demnach dringen die meisten Krankheitserreger, die Erkältungen auslösen können, über die Nase in den Körper ein. Von dort aus wandern Viren in die Zellen der oberen Atemwege, wo sie den Körper krank machen können.

Bereits seit längerem ist bekannt, dass beim Einatmen von Bakterien ein spezieller Abwehrmechanismus in den Atemwegen in Gang gebracht wird: Nasenzellen setzen dann Milliarden winziger, flüssigkeitsgefüllter Sekretkügelchen frei, die die Angreifer umgeben und unschädlich machen: eine starke Reaktion des Immunsystems. Diese Sekretkügelchen werden extrazelluläre Vesikel (EV) genannt. Bei den untersuchten Viren (Corona- und Rhinoviren) konnten die Harvard-Wissenschaftler nun einen ähnlichen Vorgang feststellen.

Immunreaktion fällt bei Kälte anders aus

Doch wieso hängt dieser Vorgang mit Kälte zusammen? Bei ihrem Versuch setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Studienteilnehmende 45 Minuten lang Kälte aus und maßen anschließend die Naseninnentemperaturen und EV-Produktion. Dabei konnten sie feststellen, dass bei kühleren Temperaturen etwa 42 Prozent weniger EVs freigesetzt werden als bei wärmeren Umgebungstemperaturen. Die Immunreaktion war dadurch stark abgeschwächt.

„Damit liefern wir eine Erklärung für die saisonalen Schwankungen bei Infektionen der oberen Atemwege“, sagte eine Mitautorin der Studie dem Magazin. Aufgrund der neuen Erkenntnisse könnte in Zukunft etwa ein Nasenspray entwickelt werden, das die EV-Menge in der Nase steigert oder die Zahl der Bindungsrezeptoren an den Vesikeln erhöht.