Österreich: Staatsschutz ermittelt wegen Spionagesoftware Subzero

Experten bei Microsoft erheben schwere Vorwürfe gegen ein Wiener Unternehmen. Dessen Schadsoftware soll gegen Anwälte, Banken und Beraterfirmen eingesetzt worden sein.

Die Überwachungssoftware Subzero soll zur Bespitzelung privater Unternehmen zweckentfremdet worden sein. (Symbolbild)
Die Überwachungssoftware Subzero soll zur Bespitzelung privater Unternehmen zweckentfremdet worden sein. (Symbolbild)Imago

In Österreich überprüft der Staatsschutz Informationen, wonach die Spionagesoftware eines Wiener Unternehmens in drei Ländern gegen Anwaltskanzleien, Banken und Beratungsfirmen eingesetzt wurde. Das Innenministerium in Wien erklärte am Freitag, die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) prüfe die Vorwürfe – bisher lägen aber noch keine Beweise vor.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht hatten Experten des Microsoft-Konzerns die Schadsoftware Subzero des Unternehmens DSIRF unter die Lupe genommen. Nach ihren Erkenntnissen sei das Programm in diesem und im vergangenen Jahr mehrfach mit dem Ziel eingesetzt worden, an vertrauliche Daten wie etwa Passwörter zu gelangen.

Experten: Kanzleien, Banken und Berater mit Subzero bespitzelt

„Zu den bislang identifizierten Opfern gehören Anwaltskanzleien, Banken und strategische Beratungsunternehmen in Ländern wie Österreich, Großbritannien und Panama“, hieß es in dem Blogbeitrag. Um welche Unternehmen es sich konkret handelte, gaben die Experten zunächst nicht bekannt.

Laut der Tageszeitung Kurier erklärte DSIRF hinsichtlich der Vorwürfe lediglich, dass Subzero nicht zu kriminellen Zwecken angewandt worden sei. Die Software sei auf dem freien Markt nicht erhältlich und „ausschließlich zur behördlichen Anwendung in Staaten der EU“ entwickelt worden. Das Wiener Innenministerium gab an, keinerlei Geschäftsbeziehungen zu DSIRF zu unterhalten.

Spionagesoftware: Überwachungsskandale häufen sich

Erst im vergangenen Jahr hatten ähnliche Enthüllungen, bekannt geworden als Pegasus-Skandal, für Schlagzeilen gesorgt. Ein internationales Recherche-Team hatte aufgedeckt, dass die Spionagesoftware Pegasus des israelischen Unternehmens NSO zur Ausspähung von Journalisten und Politikern bis hin zu Staats- und Unternehmenschefs in zahlreichen Ländern genutzt worden war.

Im Jahr 2013 hatte der Whistleblower und ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zudem mit der Veröffentlichung belastender NSA-Dokumente internationale Aufregung hervorgerufen. Dabei belastete der „Abhörskandal“ auch die transatlantischen Beziehungen, da Details darüber bekannt wurden, wie der US-Geheimdienst systematisch Bürger und Regierungschefs auf der ganzen Welt überwacht und deren Daten gespeichert hatte.