Ukraine: „Beispiellose“ Strombeschränkungen in der Region um Kiew

Die ukrainische Energie-Infrastruktur ist durch russische Angriffe stark beschädigt. Laut Präsident Selenskyj sind vier Millionen Ukrainer von Einschränkungen bei der Stromversorgung betroffen.

Kiew: Menschen sitzen in einer U-Bahn-Station, die als Luftschutzbunker dient.
Kiew: Menschen sitzen in einer U-Bahn-Station, die als Luftschutzbunker dient.AP/Emilio Morenatti

Fast vier Millionen Menschen in der Ukraine sind wegen der russischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur von Einschränkungen bei der Stromversorgung betroffen. In vielen Städten und Regionen werde der Strom zeitweise abgestellt, „um die Lage zu stabilisieren“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag. Betroffen seien die Hauptstadt Kiew und Umgebung sowie die Provinzen Schytomyr, Poltawa, Tscherkassy, Kirowohrad, Riwne, Charkiw, Tschernihiw und Sumy.

Zuvor hatte der Stromversorger DTEK mitgeteilt, dass wegen erheblicher Schäden durch die jüngsten russischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur in der Region um Kiew „beispiellose“ Strombeschränkungen vorgenommen werden müssten.

Notfallbeschränkungen, um vollständigen Stromausfall in Kiew zu verhindern

Um einen vollständigen Stromausfall in der Hauptstadt und zentralen Regionen zu verhindern, führe das staatliche Energieunternehmen Ukrenergo „beispiellose Notfallbeschränkungen ein“, kündigte DTEK im Onlinedienst Facebook an. Das ukrainische Energiesystem habe „neuen Schaden erlitten“, es gebe ein „Stromdefizit in Höhe von 30 Prozent des Kiewer Verbrauchs“.

Durch eine Serie von russischen Raketenangriffen wurde mindestens ein Drittel der Stromanlagen des Landes zerstört. Um eine Überlastung des gesamten Verteilernetzes zu verhindern, werden deshalb in vielen Regionen, auch in der Hauptstadt Kiew, seit mehreren Tagen täglich Strombeschränkungen verhängt. In Kiew war bereits in den vergangenen Tagen in wechselnden Vierteln für mehrere Stunden der Strom abgestellt worden.

In den kommenden Tagen würden nun „strengere und längere Einschränkungen“ vorgenommen, teilte DTEK mit. Es könne „auf unbestimmte Zeit“ zu Stromausfällen kommen, zitierte der Stromversorger den Gouverneur der Region Kiew, Oleksij Kuleba. Die Situation bleibe angespannt, und es sei „leider zu früh, um über die Stabilisierung des Systems zu sprechen“, sagte Kuleba am Freitag im Onlinedienst Telegram.