Erstmals will Großbritannien eigene Truppen in die Ukraine verlegen. Das sagte der britische Verteidigungsminister Grant Shapps der Londoner Tageszeitung „The Telegraph“ im Interview. Das Ziel: Ein Trainingsprogramm für ukrainische Soldaten.
Bislang hatten westliche Staaten ukrainische Soldaten ausschließlich in Westeuropa, aber nie auf ukrainischem Boden ausgebildet – so etwa in Großbritannien, Deutschland oder Polen.
Die bisherige Befürchtung: Nato-Soldaten in die Ukraine zu verlegen, könnte zu einer direkten Konfrontation des nordatlantischen Militärbündnisses mit Russland führen. Deswegen hatte es Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg eigentlich ausgeschlossen, eigene Soldaten innerhalb der Ukraine zu stationieren.
Ziele: Schutz ukrainischer Getreidetransporte und eigene Rüstungsfabriken
Shapps hatte während seines Antrittsbesuchs beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zudem erörtert, wie die britische Flotte ukrainische Getreidetransporte schützen könne. Wie genau man dabei vorgehen wolle, ließ Shapps aber offen. Denn auch hier würde für die westlichen Partner das Risiko einer direkten Auseinandersetzung mit Russland steigen, sollten beispielsweise britische Kampfschiffe in direkte Gefechte mit der russischen Flotte verwickelt werden.
Der Hintergrund: Im Juli hatte Russland das gemeinsame Abkommen mit der Ukraine aufgekündigt, das rund ein Jahr den Schiffstransport ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer sichergestellt hatte. Der Transport musste daraufhin ausschließlich auf die Schiene verlegt werden, ukrainisches Getreide überflutete den polnischen Markt. Das belastet das westliche Bündnis: Zuletzt hatte Polen sogar angekündigt, vorerst keine Waffen mehr an die Ukraine zu liefern.
Im Interview mit dem Telegraph teilte Shapps ferner mit, Großbritanniens Rüstungsetat auf drei Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts erhöhen zu wollen. Ein weiterer brisanter Appell des britischen Verteidigungsministers: Er rief britische Rüstungshersteller dazu auf, ihre Fabriken direkt in der Ukraine zu bauen.

