Ukraine-Krieg: Kiew und Charkiw erneut unter Beschuss

Am Mittwoch setzte Russland die Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung fort. Im Süden des Landes müssen sich prorussische Truppen indes zurückziehen.

Ukrainische Feuerwehrkräfte im Einsatz nach einem russischen Drohnenangriff in Kiew
Ukrainische Feuerwehrkräfte im Einsatz nach einem russischen Drohnenangriff in Kiewdpa/AP/Roman Hrytsyna

Russland hat nach Angaben der ukrainischen Regierung am Mittwoch erneut versucht, das Stadtzentrum in Kiew mit Raketen anzugreifen. Ukrainische Flugabwehrbatterien hätten „mehrere russische Raketen“ über Kiew abgeschossen, erklärte Bürgermeister Vitali Klitschko über Telegram. Der Luftalarm sei noch nicht vorbei und die Luftabwehr „immer noch in Aktion“. Die Bewohner seien dazu aufgefordert, in Schutzräumen zu bleiben.

Seit Montag hatte Russland die ukrainische Hauptstadt wiederholt mit Raketen beschossen und dabei vor allem die Energieinfrastruktur ins Visier genommen. Fünf Menschen sollen bei den Angriffen getötet worden sein, darunter eine schwangere Frau. Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich jedoch kaum unabhängig überprüfen.

Charkiw: Mehr als 150.000 Einwohner obdachlos

Auch in der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw kam es laut Bürgermeister Ihor Terechow erneut zu russischen Angriffen. „Acht Raketen wurden in verschiedene Bezirke von Charkiw gefeuert“, sagte Terechow der Agentur Unian zufolge am Mittwoch. Dabei sei unter anderem ein Lager mit Hilfsgütern zerstört worden. 

Laut den örtlichen Behörden sind mehr als 150.000 Einwohner der ostukrainischen Millionenstadt ohne Dach über dem Kopf. „Viele von ihnen haben die Stadt verlassen, sind in die Westukraine oder in andere Gebiete oder ins Ausland gereist“, so der Bürgermeister. Viele seien aber geblieben. „Da Charkiw vor dem Krieg als Studentenhauptstadt der Ukraine galt, stellen wir Menschen, die nirgendwo leben können, die Wohnheime zur Verfügung und versorgen sie mit allem Nötigen.“

Die ukrainische Armee gab unterdessen bekannt, dass sie zwei russische Raketen in der Region Tschernihiw im Norden des Landes abgeschossen habe. Im Süden der Ukraine schreitet derweil die ukrainische Gegenoffensive weiter voran. Russische Truppen und Zivilisten hätten damit begonnen, sich aus Cherson zurückzuziehen, teilte der Verwaltungschef der prorussisch besetzten Region am Mittwoch mit.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat in der Region Cherson – sowie in drei weiteren annektierten ukrainischen Gebieten – indes das Kriegsrecht ausgerufen. Dies ist nach Angaben des Kremlchefs eine Reaktion auf die Nichtanerkennung der zuvor in den Gebieten durchgeführten Referenden. Dabei soll die Bevölkerung für einen Beitritt zu Russland gestimmt haben. „Das Kiewer Regime hat sich geweigert, den Willen der Bevölkerung anzuerkennen“, verkündete Putin am Mittwoch in einer TV-Ansprache. „Es lehnt jeden Verhandlungsvorschlag ab, das Feuer geht weiter, Zivilisten sterben.“