Berlin - Großer Hilfebedarf: In den psychologischen Beratungsstellen des Berliner Studierendenwerks steigt die Nachfrage erneut deutlich. Neben der Pandemie sorge nun auch der Krieg in der Ukraine bei vielen Studenten für Unsicherheit, sagte Irina Theisen, Leiterin der Psychologisch-Psychotherapeutischen Beratungsstelle, der Deutschen Presse-Agentur. „Unter den Klienten sind jetzt auch viele ukrainische Studierende, die sich zum Beispiel Sorgen um ihre Familien in der Heimat machen“, so die Psychologin.

„Aber auch viele russische Studierende kommen zu uns, etwa weil sie Angst vor Diskriminierung haben“, sagte Theisen. Viele hätten auch Geldprobleme, da Eltern ihnen nun nichts mehr überweisen könnten. Andere Studierende wiederum hätten Medikamente für kranke Familienmitglieder in der Heimat finanziert. Durch die Sanktionen sei auch das nicht mehr ohne weiteres möglich.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien ebenfalls noch deutlich zu spüren, sagte die Psychologin. Depressive Verstimmungen seien nach wie vor das Hauptproblem der meisten studentischen Klienten, gefolgt von Selbstwertproblemen. „Viele haben ihre ganze bisherige Studienzeit nur online verbracht. Das hat Spuren hinterlassen.“ So habe sich auch die Zahl der Studierenden, die Angst haben, vor anderen zu sprechen, zugenommen. Auch das Aufschieben von zu erledigenden Arbeiten nehme zu. Probleme wie Ängste oder Essstörungen hätten sich durch die Pandemie zum Teil noch verstärkt.

Die 18 Experten in den beiden Beratungsstellen des Studierendenwerks waren laut Theisen auch in der Pandemie immer persönlich erreichbar. Gerade in Krisenzeiten sei das wichtig. Außerdem seien inzwischen verschiedene neue Workshops und Gruppentherapie-Angebote geschaffen worden. „Diese haben auch einen Anti-Einsamkeitseffekt. Die Leute vernetzen sich untereinander und es entstehen auch neue Freundschaften“, berichtete Theisen.

Im vergangenen Jahr haben Studenten rund 9100 Beratungsstunden der Psychologisch-Psychotherapeutischen Beratungsstellen in Anspruch genommen. Im Jahr 2020 waren es etwa 6800 Stunden und vor der Pandemie rund 8200 Stunden. Die durchschnittliche Beratungsdauer liege bei fünf Stunden. „Manche besuchen nur einen Workshop, andere betreuen wir ein halbes Jahr oder länger“, sagte die Leiterin.