Britische Militärexperten: Russland fürchtet Gegenoffensive

Nach dem Ende von Putins „Waffenruhe“ setzt Moskau den Beschuss ukrainischer Infrastruktur fort – und sichert Verteidigungsstellen im Süden des Landes.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor Weihnachten eine einseitige Waffenruhe verkündet.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor Weihnachten eine einseitige Waffenruhe verkündet.AP/Sputnik Kremlin/Sergey Guneev

Nach dem Auslaufen der einseitig von Kremlchef Wladimir Putin verhängten Feuerpause im Ukraine-Krieg hat Russland nach Angaben aus Kiew mehrere Städte im Land beschossen. Zugleich bereite sich Moskau in den besetzten Gebieten in der Südukraine offenbar auf eine Gegenoffensive vor, wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag unter Berufung auf Geheimdienstinformationen meldete.

Von den jüngsten russischen Angriffen betroffen war unter anderem ein Stadtviertel von Cherson. „Für die Attacke haben sie Brandmunition verwendet“, teilte der Militärgouverneur der Region, Jaroslaw Januschewitsch, am Sonntag via Telegram mit. Die Genfer Konvention verbietet den Einsatz von Brandmunition gegen zivile Objekte.

Mehrere Tote bei Angriffen auf Charkiw und Donezk

Laut Januschewitsch endete die Attacke in Cherson ohne Tote und Verletzte. Aus anderen Regionen hingegen wurden Opfer gemeldet. In Charkiw ist demnach eine Person bei nächtlichen Angriffen gestorben. Im Gebiet Donezk wurden die Städte Kramatorsk und Kostjantyniwka von Raketen getroffen. Nach Angaben des stellvertretenden Leiters der ukrainischen Präsidialverwaltung, Kyrylo Tymoschenko, sind bei den Angriffen in der Region Donezk acht Menschen verletzt worden, eine Person kam ums Leben.

Angriffe wurden zudem auf Saporischschja und mehrere Ortschaften im Gebiet Dnipropetrowsk gemeldet. Kremlchef Putin hatte am Donnerstag eine einseitige Waffenruhe der russischen Streitkräfte verkündet, die bis Mitternacht von Samstag auf Sonntag gelten sollte. Kiew bezeichnete die Ankündigung indes als Propaganda. Noch während die Waffenruhe offiziell in Kraft war, räumte Moskau zudem ein, ukrainische Angriffe im Frontgebiet weiter zu erwidern.

London: Russland fürchtet ukrainische Gegenoffensiven

Britische Militärexperten vermeldeten indes die Stärkung russischer Verteidigungsstellungen in der Ukraine. Dies weise darauf hin, dass die Befehlshaber ukrainische Offensiven befürchteten. In den vergangenen Wochen habe Russland seine Verteidigungsstellungen in der Region Saporischschja im Süden des Landes ausgebaut. „Die Art, wie Russland an der Verbesserung seiner Verteidigung gearbeitet hat, lässt darauf schließen, dass Befehlshaber sehr wahrscheinlich mit der Möglichkeit großer ukrainischer Offensiven beschäftigt sind – entweder in der nördlichen Region Luhansk oder in Saporischschja.“

Ein Durchbruch ukrainischer Streitkräfte in Saporischschja könnte nach Einschätzung der Experten die Funktionsfähigkeit der russischen „Landbrücke“, die die russische Region Rostow mit der Krim verbindet, infrage stellen. Wichtige Bahn- und Straßenverbindungen und damit auch der Nachschub der russischen Truppen in der Region seien dadurch in Gefahr. Ein ukrainischer Erfolg in Luhansk würde Russlands erklärtes Kriegsziel der „Befreiung“ des ostukrainischen Gebiets Donbass weiter untergraben.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine Desinformationskampagne vor.